Fahrt in die Gottschee

Fahrt in die Gottschee

Grazer Akademische Burschenschaft Carniola

seit 1884

Reise in die Gottschee

14. – 16. Mai 2026

„Die deutsche Sprachinsel Gottschee in Krain, 1878“. Zeichnung von Carl Freiherr von Czoernig | Bild/Rechte: Wikimedia Commons.

14. Mai:

Laibach

Unsere Reise in das Gottscheer – Land beginnt nach individueller Anreise und Quartierwahl in Laibach.

Wir treffen uns um 14:30Uhr in der Empfangshalle des Best Western Slon Hotel zu einer Stadtführung, die um 15:00Uhr s.t. beginnt. Die Führung dauert ca. 2 Stunden.

Am Abend sodann, um 19:00Uhr, haben wir im Restaurant Gostilna As reserviert (Čopova ulica 5a).

Am nächsten Morgen führt unsere Reise zunächst nach Reifnitz und dann weiter in die Stadt Gottschee (gottscheerisch: Göttscheab oder Gətscheab) an der Rinse.

Reiseroute von Laibach nach Reifnitz an der Feistritz und Stadt Gottschee an der Rinse | Bildquelle: Google Maps.

Kleine Geschichte der Stadt Laibach und der Krain 

Frühe Funde aus dem Paläolithikum. Im Neolithikum prähistorische Pfahlbauten im Laibacher Moor. 1000-700 v. Chr. siedeln die Illyrer und Veneter um den Laibacher Burghügel. Ab 400 v. Chr. siedeln Kelten. Im 1. Jhdt. v. Chr. errichten die Römer ein Legionslager und gründen 14 n. Chr. das Oppidum Emona. In der Spätantike wird Emona 452 von den Hunnen überrannt.

Um 600 wandern die erste Slawen ein. Ab 800 Herrschaft der Franken. Von 962 – 1024 herrschen die Ottonen über die Grenzmark Krain. Im 12. Jhdt. errichten Herzöge von Spanheim ihren Sitz auf dem Burghügel. Anno 1144 wird Laibach zum ersten Mal urkundlich erwähnt.

1270 bemächtigt sich König Primislaus Ottokar II. von Böhmen der Krain und Laibach. Nach seinem Tod 1278 in der Schlacht bei Dürnkrut gegen Rudolph I. von Habsburg kehren Stadt und Land in die Reichsgewalt zurück, fortan unter der Herrschaft der Habsburger. 1364 erhebt Erzherzog Rudolph IV. von Österreich die Krain zum Herzogtum.

Mit Niederlegen der Krone des Heiligen Römischen Reiches durch Franz II. 1804 ersteht das „Kaisertum Österreich“. Die Krain und Gottschee werden im Lauf der napoleonischen Kriege annektiert und kommen 1808 im Frieden von Schönbrunn an Frankreich. Laibach wird zum Sitz des Generalgouvernements der ausgedehnten napoleonischen „Illyrischen Provinzen“. Der „Code Civile“, das napoleonische Zivilrecht, sowie das französische Verwaltungssystem werden eingeführt. 1814 dankt Napoleon ab. Im „Ersten Pariser Frieden“ endet die französische Herrschaft.

Auf dem Wiener Kongress 1814/15 kommen die Krain und ihr urbanes Zentrum Laibach wieder an das Kaisertum Österreich. Die Titulierung „Illyrische Provinzen“, zu denen das Herzogtum Krain zählt, existiert seit Maria Theresia. Territoriale Zugehörigkeiten ändern sich stetig. Ein „Königreich Illyrien“ als Teilgliederung im Kaisertum Österreich besteht auch nach dem Wiener Kongress bis 1849. Das Herzogtum Krain wird 1849 zum eigenständigen „Kronland“ erhoben.

Mit dem Ausbau der Südbahn 1849-1857 von Wien nach Laibach und weiter nach Triest und zum Kriegshafen Pola erhält Laibach eine herausragende Stellung in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie und wird in Folgezeit zur bedeutenden Garnisonstadt mit Kommandostrukturen ausgebaut. Die Bevölkerung der Stadt wächst bis zur Wende des Jahrhunderts auf ca. 40.000 Einwohner an.

Mit der Reichsverfassung von 1861 erhält die Krain einen Landtag in Laibach. Ab 1867 ist die Krain im Reichsrat ständig vertreten. Die Wiener Abgeordneten der Slowenen, die im Landtag in der Minderheit sind, fordern im Reichstag alle Gebiete in der Monarchie mit slowenischer Sprache in einem eigenen slowenischen Kronland zu vereinen, also auch die in den Kronländern Kärnten und Steiermark. Die Forderungen der Slowenen scheitern.

Am 31. Oktober 1819 gehen, nach der Unterzeichnung des Vertrages von Saint-Germain vom 10. September 1919, die Krain, die Untersteiermark und 8% von Kärnten (Mießtal, Unterdrauburg, Gde. Seeland) an das am 1. Dezember 1918 neu gegründete südslawische Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (SHS-Staat).

 

Slowenische Nationalbewegung

Mitte des 19. Jhdts. ist die aufkommende slowenische Nationalbewegung intensiv bestrebt „krainerisch“ durch „slowenisch“ zu ersetzen. Ihre Propaganda sowie die einschlägige Geschichtsschreibung nach 1918 sprechen von „Germanisierung“ der slowenischen Siedlungsgebiete. Sie nähren und unterhalten einen Nationalismus, der die Forderung von 1848 nach dem eigenen Staat aller Slowenen rechtfertigen und zum Erfolg und Ziel führen soll.

Im SHS-Staat ist die Amtssprache überall slowenisch und deutsch verboten. Beamte und Lehrer werden entlassen und durch Slowenen ersetzt. Die Orts- und Flurnamen werden umbenannt. Matrikeländerungen bei Familiennamen, die meist „repatriiert“ werden. Die Vornamen werden generell slawisiert. 1934 werden über zwei Drittel des fürstlich Auersperg’schen Forstbesitzes enteignet. 1937 werden alle Deutschen mit Yugoslawischer Zugehörigkeit Ausländern gleichgestellt. Bodenerwerb wird erheblich erschwert. Der Ermessensmissbrauch von Behörden und der Exekutive führt in der deutschen Volksgruppe zu beträchtlichem Unmut.

 

Minderheitenrechte und Minderheitenförderung

Gemessen an der Bevölkerungszahl war die slawische Volksgruppe im Vergleich zur deutschen, abgesehen von der deutschen Sprachinsel Gottschee, stets größer. Beide Ethnien lebten über Jahrhunderte hinweg in auskömmlicher Nachbarschaft. Im 19. Jhdt. als in Europa Freiheitsbewegungen Loslösung von oder Mitbestimmung in dynastisch regierten Staaten begehrten und nationale Souveränität einforderten, war erhebliches Konfliktpotential gegeben. Die Spannungen zwischen Ethnien wurden mitunter so groß, dass sie sich letztendlich hassgeladen und grauenvoll im 20. Jhdt. entladen haben. Die Spuren und Folgen sind in Slowenien und im übrigen Europa vielerorts zu finden. Auch mit jüngstem Blick auf die Balkanhalbinsel, den Zerfall des Nachfolgestaates der Südslawen, wird man an menschliches Kriegsleid erinnert.

Aufgrund der Auswanderungswellen Ende des 19. Jhdts. infolge wirtschaftlicher Not und den Repressalien durch den SHS-Staat sowie später aufgrund der schrecklichen Wirren während des 2. Weltkrieges mit befohlener Umsiedlung, tausendfachem Tod durch Partisanen, Flucht und erneuter Auswanderung nach dem Krieg und die im sozialistischen Staate der Yugoslawen fortgesetzte nationalistische Doktrin, ist eine deutsch sprechende Bevölkerung kaum präsent. Die vormalige Krain und die vormals deutsche Sprachinsel Gottschee sind historische Begriffe. Sie sind heute ebenso wie die Untersteiermark aus der kollektiven Erinnerung vieler Menschen verdrängt.

Allein Italiener in der Primorska (0,1%), slowenisches Küstenland, und Ungarn in der Premurje (0,3%), Übermurgebiet, haben Minderheitenstatus mit einem garantierten Volksgruppenmandat im slowenischen Parlament. Als ethnische Minderheit nicht anerkannt sind Kroaten und die kleine deutschsprachige Gruppe. Bei der Volkszählung 2002 gaben 1628 der Befragten Deutsch als Muttersprache an (0,1%). 

Die „Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen“, multilaterales Abkommen des Europarates von 1992, hat das erklärte Ziel geschichtlich gewachsene Regional- oder Minderheitensprachen als Allen gemeinsames europäisches Erbe zu schützen und den kulturellen Reichtum Europas zu fördern. Leider ist die Charta nicht bindend für die Vertragsstaaten und so setzen die Staaten die Bestimmungen nicht einheitlich um. Es gibt ferner Staaten, die im Beitrittvertrag zur Charta bedrohte Sprachen, wider ihrer langen Geschichte, nicht nennen. Das trifft auf die aus dem frühen Mittelalter tradierte, einzigartige Sprachform der Gottscheer zu.

15. Mai:

Schloss Reifnitz in Unterkrain

Das im zweiten Weltkrieg sehr weitgehend zerstörte und auch ausgebrannte Schloss Reifnitz an der Feistritz wurde erstmals 1263 erwähnt. Als Kastell mit Palatium und einem Innenhof mit Zisterne erbaut, war es von einer hohen Wehrmauer umgeben.

Zum Ende des 15. und im 16. Jahrhundert ist zum besseren Schutz vor häufigen Angriffen eine standfestere Mauer mit mehreren Wehrtürmen erbaut worden. Ein kleiner Teil dieser Mauer sowie zwei Türme sind heute der einzige verbliebene Rest der einstmals mächtigen, von einem breiten Wassergraben umgebenen, Anlage.

Im Laufe späterer Jahrhunderte wurde der originäre Wehrbau zu dem ansehnlichen Adelssitz ausgebaut wie er noch vor dem Krieg bestanden hatte.

Von diesem ist heute nur mehr ein kleiner Teil des Schlosses erhalten. Dort kann man eine Ausstellung über Handwerkskunst besichtigen. Diese bezieht sich historisch auf das vom römisch – deutschen Kaiser Friedrich III. den Gottscheern im Jahr 1492 verliehene Hausierpatent, das sie dazu berechtigte in den Ländern des Reiches ihre Waren, meist Gebrauchshandwerk aus Holz und Ton, feilzubieten.

Schloss Reifnitz an der Feistritz heute | Bild/Rechte: Wikimedia Commons.

Historische Stadtansicht von Reifnitz mit Schloss und dem altem Markt | Bild/Rechte: BR

Der Hausierhandel war für viele Gottscheer eine Notwendigkeit und eine Frage der Existenz, weil karge Karstböden wie im „Walden-Gebiet“ eine auskömmliche Bewirtschaftung wegen Wassermangels in trockenen Sommermonaten nicht gewährleistete.

In Reifnitz wurde die erste Lateinschule begründet und so konnte im Lande die Seelsorge mit Gottscheer Priestern besetzt werden. Die Söhne Gottscheer Familien wurden an dieser konfessionellen Schule akademisch streng erzogen und studierten Theologie in Aquileia, Udine oder Cividale.

Nach Empfang der Priesterweihe wurden sie vom Patriarchat in Aquileia in ihrer Heimat als Priester eingesetzt. Das war bedeutend für die deutsche Besiedlung des gesamten Gottscheer Landes und die Verbreitung ihrer Kultur. So haben die Gottscheer Siedler, die alle aus streng katholischen Ländern zugezogen, das Hochdeutsche in der Predigt als etwas vom Alltag löslösendes, als Ernstes, als Weihevolles empfunden. Die Gottscheer, in der Abgeschiedenheit der Grenzmark des Reiches, haben es ebenso von Generation zu Generation über 600 Jahre hinweg weitergetragen.

Die Stadt Gottschee

Die Stadt Gottschee in der historischen Region Unterkrain war seit jeher das Siedlungszentrum im Gottscheer Land. Die Gottscheer Pfarren unterstanden bis zum Jahr 1751 dem Patriarchat Aqulileia. Von 1751 – 1787 wurden sie von der Diözese Görz ordiniert und seit 1787 von der Diözese Laibach. Stets waren die Pfarren in ihrer Bedeutung auch die Träger der gottscheer Eigenständigkeit. Die Menschen lebten ein bitterarmes Dasein, waren aber in ihrer Gottesfurcht von der Wiege bis zur Bahre ihrer heimatlichen Scholle verbunden. Zu allen Zeiten trotzten sie, auf sich allein gestellt, den Feinden und errichteten Verwüstetes aufs Neue. Heute ist von ihrer einstigen Existenz nur wenig zu sehen. Auch nach Ende des zweiten Weltkrieges wurde Gottscheer Kulturgut mutwillig zerstört. Von den einstigen Pfarrkirchen sind über die Hälfte dem Feuer und der Spitzhacke zum Opfer gefallen.

Zunächst sehen wir nach der alten Villa Tschinkel. Die Familie Tschinkel war im Gottscheer Land tief verwurzelt und als Lehrer, Musiker, Autoren, Heimatforscher und Sprachwissenschafter weit geachtet.

Die Villa Tschinkel in der Stadt Gottschee | Bild/Rechte: privat

Gaststätte Tschinkel an der Rinsebrücke war in Gottschee sehr bekannt, auch für das Kulturleben der Deutsch-Gottscheer. Am 23. April 1941 besetzten Italiener das Land. Das Gasthaus wurde zur Trattoria.

Die Gaststätte Tschinkel im Frühjahr 1941. Mussolini-Spruchband | Gottschee Digital

Bereits 1393 besaß der Markt Gottschhee eine Pfarre. Ursprünglich eine Holzkirche, von Graf Otto von Ortenburg unterstützt, dem hl. Bartholomäus geweiht, ordiniert vom Patriarchen von Aquileia.

Sankt Bartholomäus an der Rinseschleife in Gottschee | Bild/Rechte: privat

Museum von Gottschee

Nach Eindrücken in der Stadt bzw. von dem was von ihr blieb, begeben wir uns in die Vergangenheit und besuchen nun das Museum von Gottschee. Wir sind neugierig was uns dort geboten und begegnen wird.

Gemeinsames Mittagessen

Nach dem Besichtigungsprogramm am Vormittag haben wir uns, durstig und hungrig, den Mittagstisch redlich verdient.

Weiterfahrt durch das Oberland

 

  • Dreifaltigkeitskirche
  • Altlag
  • Langenthon
  • Hof 
  • Seisenberg
  • Einöd
  • Pöllandl

Reiseroute von der Stadt Gottschee in das Oberland bis Pöllandl | Bild: Google Maps.

Unser Weg in das Gottscheer Oberland führt zunächst an den Rand der Stadt Gottschee zur Dreifaltigkeitskirche.

Bemerkenswert ist dort eine Granittafel mit dem Siegel der Stadt Gottschee in die die wesentlichen Stationen der Geschichte der Gottscheer eingraviert sind. Die Jahreszahlen beginnen mit dem Jahr 1330 und sie enden mit den Jahren 1941/1942, der befohlenen Umsiedlung der Deutschen aus ihrem Ländchen aufgrund eines unsäglichen Abkommens zwischen Hitler und Mussolini, das die Gottschee Italien zuteilte. Nur wenige Gottscheer siedelten nicht um, aber auch sie hatten noch schicksalshafte Jahre vor sich.

Dreifaltigkeitskirche nahe der Stadt Gottschee | Foto privat

Kein Wort benennt das so große übrige Leid der Gottscheer obwohl es, wenn auch verschwiegen, am Ort noch sehr präsent scheint. Auf der Tafel befindet sich oben in der Mitte das Siegel der Stadt Gottschee aus 1471. Es zeigt den Hl. Bartholomäus mit seiner Kirche. Zu den Seiten des Siegels steht auch in der alten gottscheer Mundart geschrieben:

„GOTT VATER IM HIMMEL, WIR BITTEN GAR SCHÖN, SO LAß UNSER LÄNDCHEN IN FRIEDEN BESTEHEN“.

·

„GOTT VUəTTə IN HIMML, BIθR PATN GUəR SHEAN, SHÖ LUəẞ INSCH INSHəR LANTLE IN VRIDN PəSCHTEAN“.

Das Walden – Gebiet, die „Waldner“

WaIden bezieht sich auf Wald. Der Hornwald, der zur Höhe ansteigt, bestimmt die Landschaft. Die Urbarmachung des dichten Forstes und die Bewirtschaftung der kargen, steinigen Böden verlangten den Siedlern unendliche Mühen ab. Zuden war der Ernteertrag in heißen Sommern gering, weil der Karst kaum Quellwasser bot und man auf Wasser aus Zisternen zurückgreifen musste. Reichte das Wasser nicht, wurde es von weit in Holzfässern herbeigeschafft. Die Waldner waren in ihrer Kärglichkeit also auf Nebenverdienst durch Hausier­handel angewiesen. Dazu stellten sie in den Wintermonaten Gebrauchswaren aller Art aus Holz her, das sie in Wäldern reichlich zur Verfügung hatten.

Diese bitterarmen Lebensbedingungen führten bereits Ende des 19. Jhdts. zur Auswanderung von Familien, vorallem nach Nordamerika nach Cleveland, Ohio.

Altlag war das größte Dorf in Gottschee. Vor der Umsiedlung  im Jahr 1941 hatte es 466 Einwohner. Bereits im ersten Drittel des 14. Jahrhundert entstand eine Kirche, die 1511 durch ein Erdbeben zerstört wurde. Wieder errichtet, brannte sie anno 1691 samt allen Kirchenaufzeichnungen nieder. An ihrer Stelle wurde eine barocke Kirche errichtet, die der Hl. Margarethe geweiht war.

1943 wurde die Pfarrkirche, die einen sehenswerten Marienaltar besaß, von Partisanen in Brand gesteckt. Sie diente lange Zeit als Lagerraum und wurde 1955 abgerissen. Die bekannte große Linde davor stand noch bis Anfang 1970.

Altlag mit Kirche und Lindenbäumen. Aquarell von Michael Ruppe (1863-1951).

Skizze der Gottschee. Das „Walden-Gebiet“ mit den Dörfern Altlag und Langenthon.

 Langenthon (gottscheerisch Zmuk) ist der nördlichste Weiler der Sprachinsel. 1605 gegründet, hatte der Ort 1770 gesamt 26 Häuser. Vor dem zweiten Weltkrieg waren es noch 52 Häuser mit einem Wirtshaus. Die Einkünfte stammten meist aus dem nahen Forst.

Im August 1942 wurde Langenthon von italienischen Soldaten mit Ausnahme der Kirche niedergebrannt. Diese war dem Hl. Rochus geweiht und stammte ebenso aus dem 17. Jhdt.. Sie bekam erst im 19. Jhdt. einen Glockenturm, der im 2. Weltkrieg durch Brand beschädigt und sodann 1954 abgerissen wurde. Der Ort präsentiert sich als ein Beispiel von mutwilliger Zerstörung noch lange nach dem Krieg.

Hof (Dvor), nahe Seisenberg an der Schleife der Krainer Gurk, war Standort der von Auersperg’schen Eisenhütten. Mit die größten Industiebetriebe im Süden der Alpen, bestanden die Hüttenwerke ab 1796 und wurden 1891 aus Kostengründen eingestellt. Sie waren weit bekannt für die Produktion von Guss- und Schmiedeeisen.

Mancherorts kann man noch an historisch erhaltenen Bahnsteigen der Südbahn die wunderschönen gusseisernen Säulen bewundern.

Die mittelalterliche Kirche, die dem Hl. Georg geweiht war, wurde Ostersonntag 1945 von Bomben der Alliierten getroffen und später abgetragen.

Ruine der von Auersperg’schen Eisenhütten in Hof (Dvor) | Bild/Rechte: Wikimedia Commons.

Seisenberg (Žužemberk) und die mächtige, den Ort überragende mittelalterliche Burganlage, liegen am linken Ufer der Krainer Gurk. Seit Jahrhunderten im Besitze derer von Auersperg, wurden Burg und Stadt im Weltkrieg von italienischen Truppen, Partisanen und im Jahr 1945 von Bomben der Alliierten verwüstet. Die Burg, 1295 urkundlich erwähnt, ist heute restauriert.

Die Pfarrkirche lag zur Gänze in Trümmern und wurde nach 1990 wieder aufgebaut. Sie ist den Heiligen Hermagoras und Fortunatus geweiht, die im frühen Christentum gemeinsam den Märtyrertod erlitten haben. Ihre Reliquien kamen nach Aquileia. Ihre Verehrung findet man daher in vielen Regionen, die einst dem Patriarchat von Aquileia unterstanden hatten.

Seisenberg mit seiner Burganlage, ehem. Besitz Auersperg | Bild/Rechte: Wikimedia Commons.

Schlossruine und Schlosspark Einöd / Ainöd

Im Ortszentrum von Einöd/Ainöd (Soteska) befinden sich am Ufer der Gurk die Reste des Schlosses Einöd, das von Johann Weichard Valvasor (1641-1693), Universalgelehrter, Topograph und Historiker, als eines der schönsten Schlösser im Herzogtum Krain bezeichnet wurde.

Schloss Einöd wurde 1943 von Partisanen niedergebrannt und nach dem Krieg als Steinbruch verwendet. Im Schlosspark sind wenige Bauteile erhalten geblieben, wie der turmförmige Gartenpavillon (sog. Teufelsturm).

Historische Luftbildaufnahme vom einstigen, heute zerstörten Schloss Einöd mit Schlosspark.

Pöllandl (Kočevske Poljane) ist die letzte Station unserer Reise in das Gottscheer Land.

Dieser kleine Ort liegt am Rand des Hornwaldes in der „Mosche“ oder „Moschnitze“. Die Mosche, in der auch die Orte Stockendorf und Tschermoschnitz liegen, ist eine der schönsten Landschaften der Gottschee.

In diesem Raum lebt noch eine Gottscheer Minderheit, die ihre Mundart pflegt und sich im Altsiedler Verein wiedergefunden hat.

Bei der Fahrt nach Pöllandl führt die Straße an der rauschenden Moschnitze entlang. Hinter Altsag wird der Wildbach ruhiger.

Pöllandl wurde schon Ende des 15. Jhdts. gegründet. Die alten Bürgerhäuser zieren noch heute den Ort. Über dem Dorf erhebt sich auf einer Anhöhe die dem Hl. Andreas geweihte Pfarrkirche. Deutsche Inschriften bezeugen die 600-jährige Besiedlung. Nur wenige Gehminuten nach Norden grüßt von Büchel die schöne Wallfahrtskirche Mariahilf von den Weinbergen ins Tal.

Pöllandl (Kočevske Poljane). Zum Dorf gehören die Siedlungen Büchel und Dornachberg | Bild/Rechte: Wikimedia Commons.

Skizze der Gottschee. Die „Mosche“ rot markiert mit ihren Hauptorten Pöllandl, Tschermoschnitz und Stockendorf.

Rückblick

Hier endet unsere Reise ins Gottscheer Land. Man versteht die Sehnsucht der Gottscheer in aller Welt nach ihrem „Hoimötle“. Wir wurden von herrlicher, einzigartiger Landschaft umfangen.

Schmerzlich mussten wir sehen, daß viele Siedlungen nicht mehr bestehen, wie die einsamen Dörfer im Hornwald. Kündende Siedlungsspuren sind längst vom Wald überwachsen. In anderen Dörfern sind die Häuser verfallen, die Friedhöfe verwaist, Kirchen, Kapellen und Bildstöcke zerstört. Mancherorts hält man vor abgelegenem Kreuz inne.

Neben der heute vergessenen Kultur der Gottscheer bedrückt uns der allmähliche Untergang ihrer Sprache. Es sind wenig Altsiedler im Ländchen, die sie liebevoll pflegen. Man muss demnach mahnen und man sollte hoffen zugleich, dass den Einrichtungen zur Erinnerung der Erfolg beschieden sei, den sie anstreben. Längst ist die lokale Politik und gleich auch die Europäische Union aufgefordert die „Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen“ umzusetzen.

Minderheitenrechte und parlamentarische Mitsprache, wie sie für die Italiener und Ungarn in ihren Regionen gelten, müssen auch für die Gottscheer in ihrer Region hergestellt werden, unabhängig von der Anzahl der Menschen, die dort noch leben. Es gilt die Sprache und das patrimoniale Erbe der Gottschee wiederzubeleben. Dem entspricht Sinn und Verständnis von der Gleichstellung und Gleichberechtigung aller Minderheiten. Minderheitenförderung ist ein dringendes europäisches Anliegen und Erfordernis.

ED / GP

Unsere Prinzipien

Grazer Akademische Burschenschaft Carniola

seit 1884

UNSERE PRINZIPIEN

„Allein, nur, wer Gesetz und Brauch

Der Heimat achtet und Ehre auch

Der Götter beschworenem Recht erweist,

Nur den in der Stadt man ehrt und preist.

Doch friedlos sei, wer dem Bösen gesellt

Mit frechem Trotz, in aller Welt!

Nie sitz‘ solch Frevler an meinem Herde

Und niemand im Haus ihm Freund je werde.“

 

Sophokles, Antigone

Wir stellen uns vor

Wir, die „Akademische Burschenschaft Carniola“, sind seit je ein freier Werte- und Lebensbund. Stolz tragen wir die Farben „Schwarz – Rot – Gold“ als das Symbol der Freiheit und der Demokratie für die die deutsche Burschenschaft seit Anbeginn herausbildend eingetreten ist. Wir pflegen die studentische Mensur in Tradition als Ausdruck unserer burschenschaftlichen, freien Gesinnung.

Wir „Carniolen“ sind unserer deutschen Sprache und Kultur in besonderem Maße verbunden, ehren ihre Geschichte und ihre Denkmäler. Wir sind stolz auf das auf uns gekommene reiche Erbe und wollen es für die Zukunft gewahrt und gemehrt sehen.

Wir vertreten überzeugt die Vorstellung einer wehrhaften Demokratie“ im Land und in einem einigen Europa mit seinen unterschiedlichen Ländern und Regionen. Wir setzen uns für die Pflege der Kulturen und Traditionen, den Erhalt der originären Sprachen und für Vielfalt des Brauchtums ein. Wir stellen uns fest an Seite anderer Europäer, die heute diese Werte und Güter bedroht sehen.

Als akademische Studentenverbindung treten wir für den stets freien Zugang zu unseren hohen Schulen ein. Ein freier Zugang meint auch die Unabhängigkeit von finanziellen Mitteln der Studentinnen und Studenten unseres Landes und meint gleiche Bildungschancen für Studierende, unabhängig vom sozialen Hintergrund.

Wir stehen zum Prinzip der Leistung an unseren Universitäten und zur Autonomie der „Universitas“, der Gemeinschaft aller Lehrenden und Lernenden. Wir haben ein immer waches Auge auf eine exzellente akademische Ausbildung und auf sichere Gewähr der „akademischen Freiheit“ im Sinne des Begriffes und nach dem festen Grundsatz:

„Die Wissenschaft und die Lehre sind frei.“

Wir verteidigen die unantastbare Würde und die Freiheit des Menschen und die Würde und Freiheit unseres Landes. Wir sehen es als unverbrüchliche Pflicht an, die deutsche Sprache und Kulur zu schützen, unsere schöne Heimat und Natur sowie ein friedliches Lebensumfeld der Menschen zu bewahren und die Zukunft mitzugestalten.

Wie wir Carniolen aus eigener Geschichte leidvoll erfahren haben, wenden wir uns gegen Vertreibung und Völkerhass, gegen Diskriminierung und Diffamierung, gegen alle sozio – ökonomische Unvernunft und gegen jegliche Art und Ausprägung von Extremismen:

„Menschenrechte sind höchstpersönliche Rechte und entziehen sich selbst der staatlichen Souveränität!“

Die errungene „freiheitlich demokratische Grundordnung“ ist uns das fundamentale Rechtsprinzip durch das freie Gesellschaft friedvoll funktioniert. Sie hat sich erst über lange und schwere Zeit herausgebildet. Ihr so hoher Wert bedarf, einem Axiom gleich, nicht irgendeines Beweises. So gilt es also sie bedrohende Gefahr zu erkennen und für unsere Grundordnung einzustehen. Die Gewaltenteilung im Staat ist unumstößlich.

Wir sprechen ferner für ein stets freies und unabhängiges Rechtswesen, eine freie und unabhängige Presse, für freie öffentliche Meinungsäußerung, für die Freiheit der Versammlung und für ein demokratisches, allgemeines Wahlrecht bei Wahlgleichheit für alle Staatsbürger. Wir bekennen uns zur umfassenden Landesverteidigung und wir betrachten das Einstehen für das Land als Bürgerpflicht.

Wir, die „Akademische Burschenschaft Carniola“, stellen uns politisch offenen Fragen und besprechen Themen der Zeit. Dabei dienen uns Meinungsvielfalt und die kritische Diskussion dem Prozess besserer Rezeption. Sie fördern so die freie, eigene Meinungsbildung. Frei meint kategorisch die Freiheit des Denkens und der Rede, entsprechend dem Kant‘schen Satz:

„Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“

In Interpretation nach Horaz: „Sapere aude.“, Epist. I, 2,40

GP

Ehre-Freiheit-Vaterland

Grazer Akademische Burschenschaft Carniola

seit 1884

Ehre-Freiheit-Vaterland

Ehre – Freiheit – Vaterland

Wahlspruch der Burschenschaft Carniola

„Ehre – Freiheit – Vaterland“ sind nach einem Wörterbuch anno 1848 heiliger Dreiklang der höchsten Erdengüter: Die persönliche Ehre, die göttliche Freiheit und das irdische Vaterland.

Die deutsche studentische Jugend hatte ihn 1815 nach ihrer Rückkehr aus den napoleonischen Befreiungskriegen zum Wahlspruch der Urburschenschaft zu Jena erhoben. „Ehre – Freiheit – Vaterland“ wurde fortan zum Wahlspruch deutscher Burschenschaften. Obwohl er seit 280 Jahren bekannt ist, er findet sich bereits 1745 in einem Gedicht von Peter Uz und 1810 im Heidelberger „Allgemeinenen Kommersbuch“ im Studentenlied: „Hier, wo in trauter Brüder Mitte“, ist er aktuell.

Weder die Ehre und das Recht auf Freiheit, noch die Vaterlandsliebe sind aus der Zeit. Diese Rechtsgüter sind allen Menschen zuzuerkennen. Selbstbestimmung und das Recht auf identitätsstiftende Kultur, auf lebendige originäre Sprache und auf Heimat können nicht abgesprochen werden und sind nicht zu verhandeln.

Grundfreiheiten und Grundrechte, die nach Vertreibung oder nach Verdrängung nicht mehr zuerkannt werden oder bedroht sind, müssen wieder hergestellt werden und geschützt bleiben. Diese Rechtsgüter müssen für alle Menschen in ihren jeher angestammten Gebieten und Regionen mit geschichtlich gewachsenem Erbe gelten. Dabei sind Anzahl der Menschen und die Größe des heimatlichen Raumes davon unbenommen. Es muss gutes Recht gelten in der alten Heimat wieder sesshaft zu werden, dort unbedrängt leben und sich kulturell entfalten zu können.

Es geht nicht darum Gräben oder Gräber zu öffnen, die heute kaum jemand mehr kennt. Es geht um Aufklärung und den Willen respektvoll miteinander zu leben. Das gilt prinzipiell für alle Staaten, in denen Minderheiten leben und die die Charta der Menschenrechte unterzeichnet haben.

Davon abgesehen muss die Einsicht bestehen, dass die originären Sprachen und Kulturen, von denen allmählich einige in Europa zu verschwinden drohen, das Gebilde jedes Staates bereichern und festigen. Darüberhinaus sind das Erhalten der Sprachen und Kulturen, die liebevolle Pflege von Traditionen und Brauchtum in Gebieten und Regionen, in denen sie sich über Jahrhunderte entwickelt hatten, im Sinne eines freien und einenden Europa.

Europa heute, das auf diese reiche Vielfalt stolz ist, hat ebendie vollumfänglich zu schützen, zu restaurieren und zu geben, wo immer sie bedroht ist. Das nimmt soweit unmittelbar Bezug auf die „Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen“ des Europarates. Dieses multilaterale Abkommen hat das erklärte Ziel geschichtlich gewachsene Regional- oder Minderheitensprachen als das gemeinsame europäische Erbe zu schützen und so den kulturellen Reichtum Europas zu fördern.

Indes setzen nicht alle Vertragstaaten die Bestimmungen der Charta einheitlich um. Soweit es jedoch Staaten gibt, die wider der eigenen Geschichte, Sprachen ihrer Minderheiten im Beitrittsvertrag zur Charta nicht nennen, bestünde bereits im Sinne der Präambel der Charta des Europarates Handlungsbedarf.

Denn, ein ideal gedachtes europäisches Gemeinwesen setzte die (Be)Achtung der originären Kulturen voraus. Und das selbstredend und vorbehaltlos hoheitlicher Grenzen. Bereitwillig, aus freien Stücken bedürfte es weder Gesetze noch Richter. Allein der frohe Klang der Glocken und der freie Schlag der Herzen sängen so, künftig von Mythos und Verklärung frei, gültig und fest aller Heimat wieder von Treue und von Recht (Autonomie der originären Kulturen).

„Aurea prima sata est aetas, quae vindice nullo,

sponte sua, sine lege fidem rectumque colebat.“

Ovid, Metamorphosen I, 89-90

 

IN GELOBTER HEIMAT FREMD …

Wir „Carniolen“ denken an Menschen in der Krain und der Gottschee, denen die amtliche deutsche Sprache nicht gewährt wird, weil sie „heute zu Wenige“ seien. Diesbezüglich sind expressis verbis der „Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen“ untere Grenzen jedoch nicht vorgesehen.

Fritz von Wille (1860-1941): Die blaue Blume, 1906. Öl auf Leinwand | Bild/Rechte: Wikimedia Сommons

Die blaue Blume als zentrales Symbol der Romantik (Novalis). Sie steht für Sehnsucht, Liebe, Treue – für Wanderschaft. In heimischer Natur ist es meist die Kornblume oder die Wegwarte. Stimmungsvoll knüpft von Willes Bild an die literarische Neoromantik (1890-1915) an.

Des Fremdlings Abendlied

Wo bist du, mein gelobtes Land,
Gesucht, geahnt und nie gekannt?
Das Land, das Land so hoffnunggrün,
Das Land, wo meine Rosen blüh’n?

Wo meine Träume wandeln geh’n,
Wo meine Todten aufersteh’n,
Das Land, das meine Sprache spricht,
Und alles hat, was mir gebricht?

Ich übersinne Zeit und Raum,
Ich frage leise Blum’ und Baum;
Es bringt die Luft den Hauch zurück:
„Da, wo du nicht bist, ist das Glück!“

„Des Fremdlings Abendlied“ (letzten drei Strophen). Georg Philipp Schmidt von Lübeck (1766-1849).

Mit das bekannteste Gedicht der Romantik. Vertonung durch Franz Schubert im Lied: „Der Wanderer“ (1816). Eine politische Metapher des Heimatlosen, des Wanderers, des Fremden, des Suchenden, des Unglücklichen in der „inneren Emigration“ im Überwachungsstaat Metternich.

Ehre

Die Ehre des Menschen ist ein erworbener, individueller Wert. Er ist ein nach sittlichen und sozialen Vorstellungen bemessener Eigen- und Selbstwert. Aus ihm leitet sich ein Anspruch auf Achtung ab. In der Wahrnehmung und Beurteilung durch Dritte entspringt dem Wert der Ehre Geltung, Achtung, Ansehen, Anerkennung und Wirkung in einer Gesellschaft. Die persönliche Ehre unterliegt sowohl dem eigenen Maßstab als auch der Bewertung durch Dritte.

Ehre kann mit Begriffen wie Aufrichtigkeit, Treue, Liebe, Mut, Unbeugsamkeit, Stolz, Tapferkeit, Sittlichkeit verwoben sein: Zum Beispiel in Bezug auf Freundschaft, Familie, Kultur, Sprache, Beruf, Geschichte, Gesellschaft, Lebensweise.

Ehre kommt auch, wie dem Dreiklang Ehre – Freiheit – Vaterland abgelesen werden kann, der Heimat, dem Vaterland, dem Staat, der Nation zu. Auch einem hohen Amt, einer Institution, Universität, einer verdienstreichen Persönlichkeit wie einem Politiker, Wissenschafter, Dichter, Musiker, Künstler, auch einer Kompanie oder einem An(ge)denken kann eine besondere Ehre zuteil sein.

Der Burschenschafter stellt sich entgegen jeglicher Form der Ehrenkränkung und -Beleidigung, gegen Diffamierung, Hass und Hetze, wie sie in den elektronischen Medien so leicht möglich geworden sind. Unsere Aufmerksamkeit gilt der Wahrung von Würde und Ehre hilfloser Mitbürger, betagter Menschen, von Kindern und von Frauen, wenn sie Herabwürdigungen des Wertegefühles erfahren. Soziales Denken und Handeln sind urburschenschaftliche Domäne und Pflicht. Das Leben in Würde und Freiheit muss allen Bürgerinnen und Bürgern möglich sein.

Die Demokratie und die Freiheit können nur im stabilen Zustand sozialen Friedens bestehen. Wo ein ausgewogenes soziales Miteinander in Gefahr ist, das lehrt uns die Demokratiegeschichte des griechischen Altertums bereits, besteht die Gefahr der Instabilität und der Spaltung einer freien Gesellschaft, besteht auch die Gefahr einer hereinbrechenden Tyrannis. Dann also verlören Würde und Ehre und Sittlichkeit ihre allgültigen Rechtsbegriffe, unterlägen allein nur der Willkür und den egoistischen Maßstäben Anderer.

 

Die Würde des Menschen als Rechtsbegriff

Die Würde des Menschen ist der als kategorisch erkannte höchste sittliche Wert. Sie kann weder vermehrt noch kann sie vermindert werden.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“  (Art. 1 Abs. 1 Satz 1 GG der Bundesrepublik Deutschland).

Sie ist dem Menschen vom Anfang seines Seins mitgegeben, sie besteht über das Sein hinaus weiter fort. Die Würde des Menschen ist durch keine Macht und durch keine Zeit veränderlich. Die Würde des Menschen steht somit über der Ehre, die allemal veränderlich sein kann.

Die „Menschenwürde“ ist speziell in der Rechtsphilosophie und Rechtstheorie ein umschriebener Rechtsbegriff. Er ist vom allgemeinsprachlichen Begriff der „Würde“ zu unterscheiden.

Freiheit

Wir leben in Europa in unabhängigen Staaten mit gewählten parlamentarischen Demokratien. Vor nicht zu langer Zeit ist in Deutschland die Mauer gefallen und es wurde der eiserne Vorhang zum Osten Europas zerschnitten. Wir haben zwischen den Staaten freien Grenzübertritt, wir haben weitgehende Meinungs- und Pressefreiheit. Mann wie Frau sind per Verfassungen vor den Gesetzen gleich. Das alles scheint selbstverständlich zu sein.

Freiheit, wie sie der Burschenschafter versteht, bezieht sich nicht allein auf die persönliche Freiheit. Freiheit hat immer das freie Gemeinwesen und dessen Recht auf Selbstbestimmung im Sinn. Weder die Freiheit des Einzelnen noch die Freiheit des Gemeinwesens sind uferlos. Sie bedingen sich. Sie haben zunächst die sittlichen Normen zu wahren und Würde und Ehre zu respektieren. So kann weder ein Einzelner noch eine Gruppe unter Berufung auf Freiheitsrechte sich die Freiheit nehmen die Werte Anderer zu verletzen.

Unsere demokratisch frei gewählten Parlamente, Gerichte und eine objektive, freie Presse haben die staatstragende Verantwortung den Bürgern Freiheits- und Persönlichkeitsrechte zu sichern. Es sind diese Rechte, das sollte erinnert werden, für die Burschenschafter unter Verlust ihrer Freiheit gekämpft hatten. Es ist nochmals zu betonen, dass die Sittlichkeit ein streng normativer Wert ist. Sie mag über Zeiten hinweg Veränderungen unterlegen haben und weiter unterliegen.

Allerdings besteht niemals die Freiheit an den existentiellen Grundrechten zu rütteln. Das sind wesentlich die Würde und die Ehre der Person, der Schutz der Familie, der Schutz der Gesundheit und des Lebens. Auf diesen Werten sind freie Gesellschaften und Demokratien gebaut. Sie sind elementare Rechtsgüter und sie stehen unantastbar über den Rechten der Gesellschaft und über den Rechten des Staates insgesamt. Der Staat mit seinen Verfassungsorganen, mit der legislativen, exekutiven und judikativen Gewalt sichern uns und haben uns auch fortan ebendiese Rechte und Werte zu sichern.

Freiheit ist nicht in Stein gemeißelt. Um die Freiheit des Einzelnen und die Freiheit der Gesellschaft zu bewahren, sie vor Zugriff, Einschränkung und vor Manipulation zu schützen, haben Burschenschafter jetzt und künftig, aller Ehren fest, Pflichten zu erfüllen.

„Es ist die Freiheit, die uns Pflichten auferlegt.“  Johann Gottlieb Fichte

Freiheit, Recht, Sicherheit und Wohlstand zu erhalten, zu mehren, ist die Gesellschaft der nächst nachkommenden verpflichtet. Nur ein einiges, von lebender Demokratie überzeugtes Gemeinwesen, das sich des Wertes von Freiheit und von Recht wohl bewußt ist, wird imstande sein künftige Aufgaben aufgrund dieser Gewissheiten und Prämissen zu erfüllen und bewältigen zu können.

„Einigkeit und Recht und Freiheit sind des Glückes Unterpfand …“

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben. „Lied der Deutschen“, verfasst am 26. August 1841 im Exil in Helgoland. Zitat aus der dritten Strophe, die seit 1991 der offizielle Text der Staatshymne der Bundesrepublik Deutschland ist.

Der freie Akademiker sehr im Besonderen muss sich einbringen und muss auf die Gesellschaft aktiv Einfluss nehmen um der Unfreiheit, dem Unrecht, der Manipulation, den Abhängigkeiten und den Egoismen gegenüberzutreten.

So war der Burschenschafter seit jeher unbequem, unbeugsam und ohne Furcht. Das wird er weiterhin sein, um der Freiheit Willen!

Vaterland

Nach allen Wirren der Geschichte haben sich demokratische Staaten zum Europa gemeinsamer Werte gefunden. Europa besteht aus Vaterländern und Menschen verbinden „Vaterland“ mit Heimatliebe, Bekenntnis zur Kultur, zu Brauchtum, Sprache, Mundart und Mentalität. Das steht nicht im Widerspruch zu Europa, das durch Vielfalt seiner stolzen Vaterländer geprägt worden ist und dadurch lebt.

Dem Vaterland Ehre!

Es waren immer Nationalismen, politisch getriebene Agitationen und territoriale Ansprüche, Kämpfe um Ehre und Krone, wirtschaftliche Rivalitäten und Religionen, die Europas Völker gegeneinander blutig aufgebracht hatten.

Es darf nicht vergessen werden, dass entsetzliche Ereignisse und Unrecht die Menschen auf dem Kontinent leidvoll geprägt haben. Das ist seinen Völkern mahnendes Erbe. So gilt es nun Frieden unter den Vaterländern zu haben und Menschlichkeit, Frieden und Freiheit für die Zukunft zu sichern.

Den meisten Menschen ist ungebrochen ihr eigenes Vaterland, ihre Heimat und ihr unmittelbarer Lebensbereich wichtig. Sie wollen, verwurzelt in ihrer Heimat und ohne Bevormundung, stolz und sich ihrer selbst bewußt frei bestimmen können wie sie leben und wie sie die Zukunft gestalten möchten.

Dem Vaterland Freiheit!

Den Vaterländern Europas sind heute so viele Probleme und Herausforderungen gemeinsam, dass sie ihnen wirksam nur im Konsens begegnen können. Allen voran die ungezügelte Zuwanderung und die Sorge um Überfremdung, die so viele Menschen mittlerweile nicht gut heißen. Ebenso aktuell sind Bedrohungen des Kontinents mit Blick auf seine äußere und innere Sicherheit sowie auf seine wirtschaftiche Stabilität und Souveränität.

Will man um ein freies, demokratisches und schützendes Europa Sorge tragen, muss man zuerst dem eigenen Vaterland Frieden und Sicherheit bewahren. Es ist nicht zu fragen was das Vaterland für Einen tun kann, sondern danach was der Einzelne für das Vaterland tun muss. Es gilt zuallererst seinen Menschen, die sich an das halten wollen, was ihnen wichtig, wertvoll und heilig ist. Nur durch den wirkmächtigen Einsatz für das eigene Vaterland werden wir uns auch in der Zukunft freie Heimat leisten können, um durch sie und von ihr Kraft zu beziehen.

Dem Vaterland Ehre und Freiheit!

Alle Kräfte, die wahre Güter und Werte destruieren oder nivellieren, sind dem Burschenschafter verhasst. Sie bedrohen die Würde und die Ehre der Menschen, deren Selbstverständnis und die Freiheit, das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben in ihrer Heimat, das Eigentum und die Sicherheit und somit den hohen Frieden im Vaterland, schließlich nicht zuletzt dessen Würde und geprägte Identität.

„Ans Vaterland, ans teure, schließ dich an! Das halte fest mit deinem ganzen Herzen! Hier sind die starken Wurzeln deiner Kraft!“  Friedrich von Schiller

So ist denn das „ideale Vaterland“ Heimat. Begründet seit altersher in der Mühsal zwar, aber in der Freiheit seiner Menschen. Es blüht durch die Last und Kraft treulicher Verantwortlichkeit des Einzelnen, den es schützt und nährt sowie durch Liebe, die es ihm gewährt.

RK / GP

Unser Couleur – Leben

Grazer Akademische Burschenschaft Carniola

seit 1884

UNSER COULEUR – LEBEN

Unser Leben in der B! Carniola

Unser Leben in der Burschenschaft ist fest bestimmt von unserem Wahlspruch „Ehre – Freiheit – Vaterland!“

Er geht sehr weit zurück auf ebendiesen Wahlspruch der Urburschenschaft zu Jena 1815 und das Fest auf der Wartburg 1817. In dieser Begriffsfolge ist er Wahlspruch vieler Burschenschaften.

Ehre bedeutet für uns stets Ehrlichkeit als Selbstwert, aber auch Aufrichtigkeit und Verlässlichkeit.

Freiheit ist das Recht die eigene Meinung zu äußern, auch wenn sie nicht gefällt oder nicht der allgängigen politischen und der vorgegebenen gesellschaftlichen Richtung entspricht.

„Burschen heraus!“, ein populäres Studentenlied, dessen Text in einem Liederbuch von 1844 spießbürgerliches Verhalten und „alte Zöpfe“ aufs Korn nimmt.

Wir vertreten die Freiheit im Studium, den freien Zugang zu allen Studienrichtungen und die freie Lehre an den Hohen Schulen. Wir verteidigen unsere Grundrechte auf Versammlung, freie Meinungsäußerung, unabhängige Presse und Justiz sowie auf Gewaltenteilung. In unsererer geliebten Heimat Österreich tief verwurzelt, wahren wir Sprache, Kultur und Brauchtum.

Wir sind eine enge Gemeinschaft, der man weit über das Studium hinaus das ganze Leben lang die Treue hält.

 

UNSER CARNIOLENHEIM

Der Mittelpunkt unseres Lebens in der Burschenschaft ist das Carniolenheim. Es besteht aus dem mit altem Holz getäfelten Kneipsaal, Paukboden, den freundlichen Studentenzimmern, Küche, Bar und dem Aufenthaltsbereich. Unser Carniolenheim befindet sich im Herzen der Altstadt, in einem sehr schönen Altbau mit den dafür typischen, hohen Räumen. Alle Räume liegen ruhig. Aufgrund der zentralen Lage ist das Heim an öffentliche Verkehrsmittel unmittelbar angebunden. Ganz aktuell erst haben wir unser Carniolenheim mit Liebe und Aufwand renoviert und modernisiert.

Wir bieten unseren Studenten in unserem Bund günstige Studentenzimmer und eine behagliche Atmosphäre zum erfolgreichen Studium. Wir erwarten jedoch, unser Heim und die studentische Kameradschaft allzeit „treulich“ zu pflegen.

UNSER VERBINDUNGSLEBEN

Einmal in der Woche findet ein Konvent statt. Das ist die Zusammenkunft stimmberechtigter Bundesbrüder bei der sie über Belange der Burschenschaft beraten und demokratisch entscheiden. Regelmäßig laden wir zu Diskussionen, Referaten und zu Vortragsabenden uns Gäste ein.

Bierkrug mit Wappen und Zirkel der „Grazer Akademischen Burschenschaft Carniola“ sowie das Kommersbuch („Bierbibel“) | privat

Im Anschluss an die Veranstaltungen lassen wir den Abend mit einer fröhlichen Kneipe ausklingen. Unsere Kneipe ist ein geordnetes Fest mit bestimmten Regeln.

Mit zum schönsten Teil der Kneipe gehört bei Genuss von bestem Bier und Wein oder auch von alkoholfreien Getränken nach alter Sitte das Singen von traditionellen Studentenliedern in vereinter Runde.

Die Kneipe, an der gerne auch unsere „Alten Herren“ teilnehmen, bietet immer entspannte Gelegenheit ein persönliches Anliegen vertraulich heranzutragen.

Die Kneipe ist eine sehr willkommene Zusammenkunft von Bundesbrüdern, die auf gesellige Weise den Bund stärkt sowie die gegenseitige Unterstützung und auch die sorgliche Verantwortlichkeit fördert.

 

Zu nicht offiziellen Veranstaltungen laden wir gerne unsere Damen. Durch ihre liebe Gesellschaft fühlen wir uns in der trauten burschenschaftlichen Familie wohl. Beliebt sind Grillabende, Wanderungen, Skitouren, Badeausflüge und Segeln.

Feste im studentischen Kalender sind im Sommersemester die Maikneipe und das Stiftungsfest der Burschenschaft Carniola. Im Wintersemester Krambambuli und das weihnachtliche Julfest, bei dem wir uns in besinnlicher Feier zusammenfinden und beschenken.

Darüber hinaus kommen bei uns Bälle und Kulturelles nicht zu kurz. Interesse daran begrüßen wir in jedem Fall und für eine „Freikarte“ findet man immer auch einen spendablen „Alten Herrn“.

UNSER BESONDERER GEIST

Studenten, die in unseren Bund eintreten möchten, machen wir zuerst mit unserem Leben in der Burschenschaft vertraut. Bald versteht man den „besonderen Geist“, der uns umgibt.

Spontan erfährt man aktive Hilfestellung und man freut sich über unsere offene Hilfsbereitschaft. Sei es über ein sehr günstiges Studierzimmer, sei es über eine sichere Begleitung während des Studiums durch erfahrene Bundesbrüder oder sei es auch über die Unterstützung durch unsere „Alten Herren“.

Jeder von uns leiht Jedem von uns sehr bereitwillig sein Ohr, weil wir am zügigen Fortschritt im Studium, an einer stolzen, selbstbewußten jungen Aktivitas, einem efolgreichen akademischen Abschluß und an einer umsorgenden Altherrenschaft interessiert sind.

 

Unsere Burschenschaft sucht stets neue Mitglieder, die unsere Wege mitgehen. Wenn Du Dich mit dem einen oder dem anderen Eckpunkt unseres studentischen Lebens identifizieren kannst, Dich unsere Werte ansprechen, Dich aktiv einbringen und mitgestalten möchtest, so melde Dich gerne unter den angegebenen Kontakten.

Wir freuen uns !

FF / RJ