Grazer Akademische Burschenschaft Carniola

seit 1884

Reise in die Gottschee

14. – 16. Mai 2026

„Die deutsche Sprachinsel Gottschee in Krain, 1878“. Zeichnung von Carl Freiherr von Czoernig | Bild/Rechte: Wikimedia Commons.

14. Mai:

Laibach

Unsere Reise in das Gottscheer – Land beginnt nach individueller Anreise und Quartierwahl in Laibach.

Wir treffen uns um 14:30Uhr in der Empfangshalle des Best Western Slon Hotel zu einer Stadtführung, die um 15:00Uhr s.t. beginnt. Die Führung dauert ca. 2 Stunden.

Am Abend sodann, um 19:00Uhr, haben wir im Restaurant Gostilna As reserviert (Čopova ulica 5a).

Am nächsten Morgen führt unsere Reise zunächst nach Reifnitz und dann weiter in die Stadt Gottschee (gottscheerisch: Göttscheab oder Gətscheab) an der Rinse.

Reiseroute von Laibach nach Reifnitz an der Feistritz und Stadt Gottschee an der Rinse | Bildquelle: Google Maps.

Kleine Geschichte der Stadt Laibach und der Krain 

Frühe Funde aus dem Paläolithikum. Im Neolithikum prähistorische Pfahlbauten im Laibacher Moor. 1000-700 v. Chr. siedeln die Illyrer und Veneter um den Laibacher Burghügel. Ab 400 v. Chr. siedeln Kelten. Im 1. Jhdt. v. Chr. errichten die Römer ein Legionslager und gründen 14 n. Chr. das Oppidum Emona. In der Spätantike wird Emona 452 von den Hunnen überrannt.

Um 600 wandern die erste Slawen ein. Ab 800 Herrschaft der Franken. Von 962 – 1024 herrschen die Ottonen über die Grenzmark Krain. Im 12. Jhdt. errichten Herzöge von Spanheim ihren Sitz auf dem Burghügel. Anno 1144 wird Laibach zum ersten Mal urkundlich erwähnt.

1270 bemächtigt sich König Primislaus Ottokar II. von Böhmen der Krain und Laibach. Nach seinem Tod 1278 in der Schlacht bei Dürnkrut gegen Rudolph I. von Habsburg kehren Stadt und Land in die Reichsgewalt zurück, fortan unter der Herrschaft der Habsburger. 1364 erhebt Erzherzog Rudolph IV. von Österreich die Krain zum Herzogtum.

Mit Niederlegen der Krone des Heiligen Römischen Reiches durch Franz II. 1804 ersteht das „Kaisertum Österreich“. Die Krain und Gottschee werden im Lauf der napoleonischen Kriege annektiert und kommen 1808 im Frieden von Schönbrunn an Frankreich. Laibach wird zum Sitz des Generalgouvernements der ausgedehnten napoleonischen „Illyrischen Provinzen“. Der „Code Civile“, das napoleonische Zivilrecht, sowie das französische Verwaltungssystem werden eingeführt. 1814 dankt Napoleon ab. Im „Ersten Pariser Frieden“ endet die französische Herrschaft.

Auf dem Wiener Kongress 1814/15 kommen die Krain und ihr urbanes Zentrum Laibach wieder an das Kaisertum Österreich. Die Titulierung „Illyrische Provinzen“, zu denen das Herzogtum Krain zählt, existiert seit Maria Theresia. Territoriale Zugehörigkeiten ändern sich stetig. Ein „Königreich Illyrien“ als Teilgliederung im Kaisertum Österreich besteht auch nach dem Wiener Kongress bis 1849. Das Herzogtum Krain wird 1849 zum eigenständigen „Kronland“ erhoben.

Mit dem Ausbau der Südbahn 1849-1857 von Wien nach Laibach und weiter nach Triest und zum Kriegshafen Pola erhält Laibach eine herausragende Stellung in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie und wird in Folgezeit zur bedeutenden Garnisonstadt mit Kommandostrukturen ausgebaut. Die Bevölkerung der Stadt wächst bis zur Wende des Jahrhunderts auf ca. 40.000 Einwohner an.

Mit der Reichsverfassung von 1861 erhält die Krain einen Landtag in Laibach. Ab 1867 ist die Krain im Reichsrat ständig vertreten. Die Wiener Abgeordneten der Slowenen, die im Landtag in der Minderheit sind, fordern im Reichstag alle Gebiete in der Monarchie mit slowenischer Sprache in einem eigenen slowenischen Kronland zu vereinen, also auch die in den Kronländern Kärnten und Steiermark. Die Forderungen der Slowenen scheitern.

Am 31. Oktober 1819 gehen, nach der Unterzeichnung des Vertrages von Saint-Germain vom 10. September 1919, die Krain, die Untersteiermark und 8% von Kärnten (Mießtal, Unterdrauburg, Gde. Seeland) an das am 1. Dezember 1918 neu gegründete südslawische Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (SHS-Staat).

 

Slowenische Nationalbewegung

Mitte des 19. Jhdts. ist die aufkommende slowenische Nationalbewegung intensiv bestrebt „krainerisch“ durch „slowenisch“ zu ersetzen. Ihre Propaganda sowie die einschlägige Geschichtsschreibung nach 1918 sprechen von „Germanisierung“ der slowenischen Siedlungsgebiete. Sie nähren und unterhalten einen Nationalismus, der die Forderung von 1848 nach dem eigenen Staat aller Slowenen rechtfertigen und zum Erfolg und Ziel führen soll.

Im SHS-Staat ist die Amtssprache überall slowenisch und deutsch verboten. Beamte und Lehrer werden entlassen und durch Slowenen ersetzt. Die Orts- und Flurnamen werden umbenannt. Matrikeländerungen bei Familiennamen, die meist „repatriiert“ werden. Die Vornamen werden generell slawisiert. 1934 werden über zwei Drittel des fürstlich Auersperg’schen Forstbesitzes enteignet. 1937 werden alle Deutschen mit Yugoslawischer Zugehörigkeit Ausländern gleichgestellt. Bodenerwerb wird erheblich erschwert. Der Ermessensmissbrauch von Behörden und der Exekutive führt in der deutschen Volksgruppe zu beträchtlichem Unmut.

 

Minderheitenrechte und Minderheitenförderung

Gemessen an der Bevölkerungszahl war die slawische Volksgruppe im Vergleich zur deutschen, abgesehen von der deutschen Sprachinsel Gottschee, stets größer. Beide Ethnien lebten über Jahrhunderte hinweg in auskömmlicher Nachbarschaft. Im 19. Jhdt. als in Europa Freiheitsbewegungen Loslösung von oder Mitbestimmung in dynastisch regierten Staaten begehrten und nationale Souveränität einforderten, war erhebliches Konfliktpotential gegeben. Die Spannungen zwischen Ethnien wurden mitunter so groß, dass sie sich letztendlich hassgeladen und grauenvoll im 20. Jhdt. entladen haben. Die Spuren und Folgen sind in Slowenien und im übrigen Europa vielerorts zu finden. Auch mit jüngstem Blick auf die Balkanhalbinsel, den Zerfall des Nachfolgestaates der Südslawen, wird man an menschliches Kriegsleid erinnert.

Aufgrund der Auswanderungswellen Ende des 19. Jhdts. infolge wirtschaftlicher Not und den Repressalien durch den SHS-Staat sowie später aufgrund der schrecklichen Wirren während des 2. Weltkrieges mit befohlener Umsiedlung, tausendfachem Tod durch Partisanen, Flucht und erneuter Auswanderung nach dem Krieg und die im sozialistischen Staate der Yugoslawen fortgesetzte nationalistische Doktrin, ist eine deutsch sprechende Bevölkerung kaum präsent. Die vormalige Krain und die vormals deutsche Sprachinsel Gottschee sind historische Begriffe. Sie sind heute ebenso wie die Untersteiermark aus der kollektiven Erinnerung vieler Menschen verdrängt.

Allein Italiener in der Primorska (0,1%), slowenisches Küstenland, und Ungarn in der Premurje (0,3%), Übermurgebiet, haben Minderheitenstatus mit einem garantierten Volksgruppenmandat im slowenischen Parlament. Als ethnische Minderheit nicht anerkannt sind Kroaten und die kleine deutschsprachige Gruppe. Bei der Volkszählung 2002 gaben 1628 der Befragten Deutsch als Muttersprache an (0,1%). 

Die „Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen“, multilaterales Abkommen des Europarates von 1992, hat das erklärte Ziel geschichtlich gewachsene Regional- oder Minderheitensprachen als Allen gemeinsames europäisches Erbe zu schützen und den kulturellen Reichtum Europas zu fördern. Leider ist die Charta nicht bindend für die Vertragsstaaten und so setzen die Staaten die Bestimmungen nicht einheitlich um. Es gibt ferner Staaten, die im Beitrittvertrag zur Charta bedrohte Sprachen, wider ihrer langen Geschichte, nicht nennen. Das trifft auf die aus dem frühen Mittelalter tradierte, einzigartige Sprachform der Gottscheer zu.

15. Mai:

Schloss Reifnitz in Unterkrain

Das im zweiten Weltkrieg sehr weitgehend zerstörte und auch ausgebrannte Schloss Reifnitz an der Feistritz wurde erstmals 1263 erwähnt. Als Kastell mit Palatium und einem Innenhof mit Zisterne erbaut, war es von einer hohen Wehrmauer umgeben.

Zum Ende des 15. und im 16. Jahrhundert ist zum besseren Schutz vor häufigen Angriffen eine standfestere Mauer mit mehreren Wehrtürmen erbaut worden. Ein kleiner Teil dieser Mauer sowie zwei Türme sind heute der einzige verbliebene Rest der einstmals mächtigen, von einem breiten Wassergraben umgebenen, Anlage.

Im Laufe späterer Jahrhunderte wurde der originäre Wehrbau zu dem ansehnlichen Adelssitz ausgebaut wie er noch vor dem Krieg bestanden hatte.

Von diesem ist heute nur mehr ein kleiner Teil des Schlosses erhalten. Dort kann man eine Ausstellung über Handwerkskunst besichtigen. Diese bezieht sich historisch auf das vom römisch – deutschen Kaiser Friedrich III. den Gottscheern im Jahr 1492 verliehene Hausierpatent, das sie dazu berechtigte in den Ländern des Reiches ihre Waren, meist Gebrauchshandwerk aus Holz und Ton, feilzubieten.

Schloss Reifnitz an der Feistritz heute | Bild/Rechte: Wikimedia Commons.

Historische Stadtansicht von Reifnitz mit Schloss und dem altem Markt | Bild/Rechte: BR

Der Hausierhandel war für viele Gottscheer eine Notwendigkeit und eine Frage der Existenz, weil karge Karstböden wie im „Walden-Gebiet“ eine auskömmliche Bewirtschaftung wegen Wassermangels in trockenen Sommermonaten nicht gewährleistete.

In Reifnitz wurde die erste Lateinschule begründet und so konnte im Lande die Seelsorge mit Gottscheer Priestern besetzt werden. Die Söhne Gottscheer Familien wurden an dieser konfessionellen Schule akademisch streng erzogen und studierten Theologie in Aquileia, Udine oder Cividale.

Nach Empfang der Priesterweihe wurden sie vom Patriarchat in Aquileia in ihrer Heimat als Priester eingesetzt. Das war bedeutend für die deutsche Besiedlung des gesamten Gottscheer Landes und die Verbreitung ihrer Kultur. So haben die Gottscheer Siedler, die alle aus streng katholischen Ländern zugezogen, das Hochdeutsche in der Predigt als etwas vom Alltag löslösendes, als Ernstes, als Weihevolles empfunden. Die Gottscheer, in der Abgeschiedenheit der Grenzmark des Reiches, haben es ebenso von Generation zu Generation über 600 Jahre hinweg weitergetragen.

Die Stadt Gottschee

Die Stadt Gottschee in der historischen Region Unterkrain war seit jeher das Siedlungszentrum im Gottscheer Land. Die Gottscheer Pfarren unterstanden bis zum Jahr 1751 dem Patriarchat Aqulileia. Von 1751 – 1787 wurden sie von der Diözese Görz ordiniert und seit 1787 von der Diözese Laibach. Stets waren die Pfarren in ihrer Bedeutung auch die Träger der gottscheer Eigenständigkeit. Die Menschen lebten ein bitterarmes Dasein, waren aber in ihrer Gottesfurcht von der Wiege bis zur Bahre ihrer heimatlichen Scholle verbunden. Zu allen Zeiten trotzten sie, auf sich allein gestellt, den Feinden und errichteten Verwüstetes aufs Neue. Heute ist von ihrer einstigen Existenz nur wenig zu sehen. Auch nach Ende des zweiten Weltkrieges wurde Gottscheer Kulturgut mutwillig zerstört. Von den einstigen Pfarrkirchen sind über die Hälfte dem Feuer und der Spitzhacke zum Opfer gefallen.

Zunächst sehen wir nach der alten Villa Tschinkel. Die Familie Tschinkel war im Gottscheer Land tief verwurzelt und als Lehrer, Musiker, Autoren, Heimatforscher und Sprachwissenschafter weit geachtet.

Die Villa Tschinkel in der Stadt Gottschee | Bild/Rechte: privat

Gaststätte Tschinkel an der Rinsebrücke war in Gottschee sehr bekannt, auch für das Kulturleben der Deutsch-Gottscheer. Am 23. April 1941 besetzten Italiener das Land. Das Gasthaus wurde zur Trattoria.

Die Gaststätte Tschinkel im Frühjahr 1941. Mussolini-Spruchband | Gottschee Digital

Bereits 1393 besaß der Markt Gottschhee eine Pfarre. Ursprünglich eine Holzkirche, von Graf Otto von Ortenburg unterstützt, dem hl. Bartholomäus geweiht, ordiniert vom Patriarchen von Aquileia.

Sankt Bartholomäus an der Rinseschleife in Gottschee | Bild/Rechte: privat

Museum von Gottschee

Nach Eindrücken in der Stadt bzw. von dem was von ihr blieb, begeben wir uns in die Vergangenheit und besuchen nun das Museum von Gottschee. Wir sind neugierig was uns dort geboten und begegnen wird.

Gemeinsames Mittagessen

Nach dem Besichtigungsprogramm am Vormittag haben wir uns, durstig und hungrig, den Mittagstisch redlich verdient.

Weiterfahrt durch das Oberland

 

  • Dreifaltigkeitskirche
  • Altlag
  • Langenthon
  • Hof 
  • Seisenberg
  • Einöd
  • Pöllandl

Reiseroute von der Stadt Gottschee in das Oberland bis Pöllandl | Bild: Google Maps.

Unser Weg in das Gottscheer Oberland führt zunächst an den Rand der Stadt Gottschee zur Dreifaltigkeitskirche.

Bemerkenswert ist dort eine Granittafel mit dem Siegel der Stadt Gottschee in die die wesentlichen Stationen der Geschichte der Gottscheer eingraviert sind. Die Jahreszahlen beginnen mit dem Jahr 1330 und sie enden mit den Jahren 1941/1942, der befohlenen Umsiedlung der Deutschen aus ihrem Ländchen aufgrund eines unsäglichen Abkommens zwischen Hitler und Mussolini, das die Gottschee Italien zuteilte. Nur wenige Gottscheer siedelten nicht um, aber auch sie hatten noch schicksalshafte Jahre vor sich.

Dreifaltigkeitskirche nahe der Stadt Gottschee | Foto privat

Kein Wort benennt das so große übrige Leid der Gottscheer obwohl es, wenn auch verschwiegen, am Ort noch sehr präsent scheint. Auf der Tafel befindet sich oben in der Mitte das Siegel der Stadt Gottschee aus 1471. Es zeigt den Hl. Bartholomäus mit seiner Kirche. Zu den Seiten des Siegels steht auch in der alten gottscheer Mundart geschrieben:

„GOTT VATER IM HIMMEL, WIR BITTEN GAR SCHÖN, SO LAß UNSER LÄNDCHEN IN FRIEDEN BESTEHEN“.

·

„GOTT VUəTTə IN HIMML, BIθR PATN GUəR SHEAN, SHÖ LUəẞ INSCH INSHəR LANTLE IN VRIDN PəSCHTEAN“.

Das Walden – Gebiet, die „Waldner“

WaIden bezieht sich auf Wald. Der Hornwald, der zur Höhe ansteigt, bestimmt die Landschaft. Die Urbarmachung des dichten Forstes und die Bewirtschaftung der kargen, steinigen Böden verlangten den Siedlern unendliche Mühen ab. Zuden war der Ernteertrag in heißen Sommern gering, weil der Karst kaum Quellwasser bot und man auf Wasser aus Zisternen zurückgreifen musste. Reichte das Wasser nicht, wurde es von weit in Holzfässern herbeigeschafft. Die Waldner waren in ihrer Kärglichkeit also auf Nebenverdienst durch Hausier­handel angewiesen. Dazu stellten sie in den Wintermonaten Gebrauchswaren aller Art aus Holz her, das sie in Wäldern reichlich zur Verfügung hatten.

Diese bitterarmen Lebensbedingungen führten bereits Ende des 19. Jhdts. zur Auswanderung von Familien, vorallem nach Nordamerika nach Cleveland, Ohio.

Altlag war das größte Dorf in Gottschee. Vor der Umsiedlung  im Jahr 1941 hatte es 466 Einwohner. Bereits im ersten Drittel des 14. Jahrhundert entstand eine Kirche, die 1511 durch ein Erdbeben zerstört wurde. Wieder errichtet, brannte sie anno 1691 samt allen Kirchenaufzeichnungen nieder. An ihrer Stelle wurde eine barocke Kirche errichtet, die der Hl. Margarethe geweiht war.

1943 wurde die Pfarrkirche, die einen sehenswerten Marienaltar besaß, von Partisanen in Brand gesteckt. Sie diente lange Zeit als Lagerraum und wurde 1955 abgerissen. Die bekannte große Linde davor stand noch bis Anfang 1970.

Altlag mit Kirche und Lindenbäumen. Aquarell von Michael Ruppe (1863-1951).

Skizze der Gottschee. Das „Walden-Gebiet“ mit den Dörfern Altlag und Langenthon.

 Langenthon (gottscheerisch Zmuk) ist der nördlichste Weiler der Sprachinsel. 1605 gegründet, hatte der Ort 1770 gesamt 26 Häuser. Vor dem zweiten Weltkrieg waren es noch 52 Häuser mit einem Wirtshaus. Die Einkünfte stammten meist aus dem nahen Forst.

Im August 1942 wurde Langenthon von italienischen Soldaten mit Ausnahme der Kirche niedergebrannt. Diese war dem Hl. Rochus geweiht und stammte ebenso aus dem 17. Jhdt.. Sie bekam erst im 19. Jhdt. einen Glockenturm, der im 2. Weltkrieg durch Brand beschädigt und sodann 1954 abgerissen wurde. Der Ort präsentiert sich als ein Beispiel von mutwilliger Zerstörung noch lange nach dem Krieg.

Hof (Dvor), nahe Seisenberg an der Schleife der Krainer Gurk, war Standort der von Auersperg’schen Eisenhütten. Mit die größten Industiebetriebe im Süden der Alpen, bestanden die Hüttenwerke ab 1796 und wurden 1891 aus Kostengründen eingestellt. Sie waren weit bekannt für die Produktion von Guss- und Schmiedeeisen.

Mancherorts kann man noch an historisch erhaltenen Bahnsteigen der Südbahn die wunderschönen gusseisernen Säulen bewundern.

Die mittelalterliche Kirche, die dem Hl. Georg geweiht war, wurde Ostersonntag 1945 von Bomben der Alliierten getroffen und später abgetragen.

Ruine der von Auersperg’schen Eisenhütten in Hof (Dvor) | Bild/Rechte: Wikimedia Commons.

Seisenberg (Žužemberk) und die mächtige, den Ort überragende mittelalterliche Burganlage, liegen am linken Ufer der Krainer Gurk. Seit Jahrhunderten im Besitze derer von Auersperg, wurden Burg und Stadt im Weltkrieg von italienischen Truppen, Partisanen und im Jahr 1945 von Bomben der Alliierten verwüstet. Die Burg, 1295 urkundlich erwähnt, ist heute restauriert.

Die Pfarrkirche lag zur Gänze in Trümmern und wurde nach 1990 wieder aufgebaut. Sie ist den Heiligen Hermagoras und Fortunatus geweiht, die im frühen Christentum gemeinsam den Märtyrertod erlitten haben. Ihre Reliquien kamen nach Aquileia. Ihre Verehrung findet man daher in vielen Regionen, die einst dem Patriarchat von Aquileia unterstanden hatten.

Seisenberg mit seiner Burganlage, ehem. Besitz Auersperg | Bild/Rechte: Wikimedia Commons.

Schlossruine und Schlosspark Einöd / Ainöd

Im Ortszentrum von Einöd/Ainöd (Soteska) befinden sich am Ufer der Gurk die Reste des Schlosses Einöd, das von Johann Weichard Valvasor (1641-1693), Universalgelehrter, Topograph und Historiker, als eines der schönsten Schlösser im Herzogtum Krain bezeichnet wurde.

Schloss Einöd wurde 1943 von Partisanen niedergebrannt und nach dem Krieg als Steinbruch verwendet. Im Schlosspark sind wenige Bauteile erhalten geblieben, wie der turmförmige Gartenpavillon (sog. Teufelsturm).

Historische Luftbildaufnahme vom einstigen, heute zerstörten Schloss Einöd mit Schlosspark.

Pöllandl (Kočevske Poljane) ist die letzte Station unserer Reise in das Gottscheer Land.

Dieser kleine Ort liegt am Rand des Hornwaldes in der „Mosche“ oder „Moschnitze“. Die Mosche, in der auch die Orte Stockendorf und Tschermoschnitz liegen, ist eine der schönsten Landschaften der Gottschee.

In diesem Raum lebt noch eine Gottscheer Minderheit, die ihre Mundart pflegt und sich im Altsiedler Verein wiedergefunden hat.

Bei der Fahrt nach Pöllandl führt die Straße an der rauschenden Moschnitze entlang. Hinter Altsag wird der Wildbach ruhiger.

Pöllandl wurde schon Ende des 15. Jhdts. gegründet. Die alten Bürgerhäuser zieren noch heute den Ort. Über dem Dorf erhebt sich auf einer Anhöhe die dem Hl. Andreas geweihte Pfarrkirche. Deutsche Inschriften bezeugen die 600-jährige Besiedlung. Nur wenige Gehminuten nach Norden grüßt von Büchel die schöne Wallfahrtskirche Mariahilf von den Weinbergen ins Tal.

Pöllandl (Kočevske Poljane). Zum Dorf gehören die Siedlungen Büchel und Dornachberg | Bild/Rechte: Wikimedia Commons.

Skizze der Gottschee. Die „Mosche“ rot markiert mit ihren Hauptorten Pöllandl, Tschermoschnitz und Stockendorf.

Rückblick

Hier endet unsere Reise ins Gottscheer Land. Man versteht die Sehnsucht der Gottscheer in aller Welt nach ihrem „Hoimötle“. Wir wurden von herrlicher, einzigartiger Landschaft umfangen.

Schmerzlich mussten wir sehen, daß viele Siedlungen nicht mehr bestehen, wie die einsamen Dörfer im Hornwald. Kündende Siedlungsspuren sind längst vom Wald überwachsen. In anderen Dörfern sind die Häuser verfallen, die Friedhöfe verwaist, Kirchen, Kapellen und Bildstöcke zerstört. Mancherorts hält man vor abgelegenem Kreuz inne.

Neben der heute vergessenen Kultur der Gottscheer bedrückt uns der allmähliche Untergang ihrer Sprache. Es sind wenig Altsiedler im Ländchen, die sie liebevoll pflegen. Man muss demnach mahnen und man sollte hoffen zugleich, dass den Einrichtungen zur Erinnerung der Erfolg beschieden sei, den sie anstreben. Längst ist die lokale Politik und gleich auch die Europäische Union aufgefordert die „Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen“ umzusetzen.

Minderheitenrechte und parlamentarische Mitsprache, wie sie für die Italiener und Ungarn in ihren Regionen gelten, müssen auch für die Gottscheer in ihrer Region hergestellt werden, unabhängig von der Anzahl der Menschen, die dort noch leben. Es gilt die Sprache und das patrimoniale Erbe der Gottschee wiederzubeleben. Dem entspricht Sinn und Verständnis von der Gleichstellung und Gleichberechtigung aller Minderheiten. Minderheitenförderung ist ein dringendes europäisches Anliegen und Erfordernis.

ED / GP