Grazer Akademische Burschenschaft Carniola

seit 1884

Streiflichter & mehr

Der Hauptplatz zu Graz mit Häuserfassaden unterschiedlicher Stilrichtungen. Über den Dächern der Uhrturm auf dem Schlossberg. Im Vordergrund Erzherzog-Johann-Brunnen | Foto privat

Universitäts-Stadt Graz

Hauptplatz mit Blick zum Uhrturm

Die schöne Landeshauptstadt Graz im sonnigen Süden der Steiermark und seine renommierten Universitäten muss man zusammendenken und man weiß, warum diese Stadt bei Studenten total angesagt ist. Graz hat einfach Alles – und ein geniales Studentenleben!

Die Burschenschaft Carniola mit dem Studentenheim in der Altstadt bietet ein behagliches Quartier und alle Möglichkeit unbeschwert zu studieren. Wir kümmern uns damit Erfolg gelingt! Diese helfende Bereitschaft haben alle Bundesbrüder beim Studium erfahren. Sie haben durch und in unserer starken Gemeinschaft ein erfolgreiches „Student sein“ erlebt.

Unsere Farben „Schwarz-Rot-Gold“ und das Verbindungswappen. „Grazer Akademische Burschenschaft Carniola“ | Foto privat

B! Carniola

Kneipsaal. Farben und Wappen

Die „Grazer Akademische Burschenschaft Carniola“ geht weit zurück auf das Jahr der Gründung 1884 in Laibach, damals in dem österreichischen Kronland Krain (Carniola). „Schwarz – Rot – Gold“ sind uns seit jeher die burschenschaftlichen Farben von Jena 1818, Hambach 1832 und der Paulskirche 1848.

 

Die Rufe von Hambach

Durch die restaurative Machtpolitik absolutistischer Fürstenhöfe in Europa, nach Fremdherrschaft durch Napoleon über den Kontinent, kam es in Hambach zu einer überwältigenden Demonstration für die Freiheit in den deutschen Ländern.

Es gab dort erstmals auch laut akklamierte Rufe nach souveräner Völkerfreiheit in sich einigen europäischen Staaten. Hambach wird insofern von Historikern heute auch als „Europäisches Fest“ gesehen.

Hambach, das Völker verbindende Fest und seine burschenschaftlichen Farben „Schwarz-Rot-Gold“, Urfahne und Symbol deutscher Demokratie, stehen historisch und unbestritten im Kontext mit Europa.

Die Rufe von Europa

Das demokratische Europa ist heute existentiell mit begehrlichen Interessen Anderer konfrontiert. Einig und nachhaltig sind wehrhafte Antworten zu finden, die errungenen Freiheiten und Rechte zu schützen. Europa muss Souveränität errichten, nicht nur seines reichen Vermächtnisses wegen.

Dazu muss jede Nation, haben wir „auch aus unseren Mitteln einen Beitrag zu legen unser fliehendes Dasein zu befestigen“ (in Anlehnung aus der Antrittsvorlesung von Friedrich von Schiller: „Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte.“ Jena, 1789).

Die Stimmung und die Rufe von Hambach nach Recht, Freiheit, Selbstbestimmung und Solidarität der Völker sind unverhallt. Europa möge sie wieder hören, so laut wie an jenem ersten Tag!

S’isch Zeit!

Den Verpflichtungen zu entsprechen, sind partikulare Interessen nachzuordnen um Kräfte zu bündeln, in der Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, in der Kultur und auch im sozialem Gefüge. Cave den Egoismen, die dem nicht dienen!

Schaffe man für Europa Voraussetzungen und jene belastbaren Strukturen, die es vermögen seine Werte nicht angreifbar zu machen. Mit „Manda, s’isch Zeit!“, hat einst Andreas Hofer dazu aufgerufen, sich gegen freche Fremdbstimmung augenblicklich zu wehren.

Längst ist ein Wandel von Demokratie zur Autokratie verkündet, dass eine auf Regeln basierte Ordnung von einer willkürlichen abgelöst werden wird. Das können wir so nicht wollen, denn:

„Wir werden Ambos, wenn wir nichts thun, um Hammer zu werden.“ Otto von Bismarck

Gewitterstimmung in weiter toskanischer Landschaft | Foto privat

Sturmnotwettern & Licht

Per aspera ad astra

„Non est ad astra mollis e terris via.“ So steht es bei Seneca und hat die Studenten allzeit begleitet: „Zu Sternen ist von Erden kein bequemer Weg.“

Akademische Fähigkeiten und Würden wollen erst erkämpft und redlich erstritten werden. Wege sind manchmal steinig und die Wetter auch stürmisch. Dann ist es gut, wenn man sich dafür wohl gerüstet hat. Hier gibt die Studiengemeinschaft Schutz und Halt. Alleingang auf steilem Pfad ist mühevoller als man glaubt.

Unbetstritten übrigens sind Frohsinn und Geselligkeit essentielle Energiequellen in einem Studentenleben. Sie bilden soziale Kompetenzen heraus, die jetzt und später auch wertvolle Netzwerke formen können.

Rundbogen-Steinportal und großes Tor in den Landesfarben „weiß-grün“ sowie „Steirischer Panther“ im Landhaushof Graz | Foto privat

Der Steirische Panther

Steirische Landesfarben „weiß-grün“

„Nemo Styrorum Pantheram tangere tentet // Ructat ab ore ignem posteriusque cacat.“

Herrliches elegisches Distichon aus der Landhandfeste (von Hand besiegeltes Rechtsdokument), im Jahr 1532 gedruckt, verleiht der Wehrhaftigkeit des steirischen Wappentiers dichterisch seinen drohenden Ausdruck.

In der Übersetzung: „Niemand wag‘ es, den Panther der Steirer zu reizen, Feuer versprüht sein Maul, Feuer der Hintere auch.“

 

Der Panther

Der steirische Panther ist silbern. Die metallische Farbe leuchtet aus dem grünen Wappenschild. Die Farben des Wappens erzeugen einen einzigartigen Kontrast.

Der Panther ist ein Fabeltier. Es besitzt ein wehrhaftes Gewaff. Auf einem Pferdekopf mit großen Augen sind rote Stierhörner, vom Nacken eine lange Löwenmähne. Der Panther steht in Drohgebärde aufgerichtet und mit geschwellter Brust und mit weitem Schritt dem Feinde entgegen fest auf seinen großen Tatzen. Die nach vorn gestreckten Pranken haben an den Klauen rote, spitze Krallen (Waffen). Der lange Löwenschwanz ist aufwärts geschlungen.

Um der Wehrhaftigkeit einen besonderen Ausdruck zu geben, sprüht der Panther Feuerflammen aus Rachen und Ohr, vormals auch vom Unterleib. Jedoch tut das der steirische Panther seit 1926 nicht mehr, als ihm drei von vier Flammen abhanden gekommen sind, die einer Abgeordneten zum Landtag „obszön“ schienen. Indess besitzt der Panther im Stadtwappen von Graz noch alle Flammen.

Die Tinktur

Die Tinktur, die heraldische Farbgebung, des Wappens der Steiermark ist „silber – grün“.

In der alten Heraldik sind sechs Tinkturen zugelassen. Das sind die Farben Schwarz, Rot, Blau, Grün und die „Metalle“ Gold und Silber. Gold kann durch Gelb, Silber durch Weiß ersetzt werden.

Die steirischen Landesfarben sind bereits 1315 in der Reimchronik des Ottokar aus der Gaal, bedeutender Geschichtsschreiber und Dichter im späten Mittelalter zur Zeit des Interregnum (1245-1273), „silber(weiß) – grün“ bezeugt.

Seine Chronik erwähnt die Schlacht bei Kressenbrunn anno 1260 zwischen dem böhmischen König Ottokar II. und Bela IV. von Ungarn im entscheidenden Kampf um das Herzogtum Steiermark, das im Jahr 1261 im Frieden von Wien an König Ottokar fällt. Die Chronik benennt Banner, Wappen und die Landesfarben urkundlich:

„… ein banier grüene als ein gras // darin ein pantel swebte // blanc, als ob ez lebte…“ (Verse 7297 – 7299)

Ottokar aus der Gaal

Chronist und Meistersinger

Otacher ouz der Geul, auch Ottokar von Steiermark, aus dem landesfürstlichen Rittergeschlecht der Herren von Strettweg, verfasste die „Steirische Reimchronik“, das gehaltvollste Werk der Reichsgeschichte im späten Mittelalter.

In mehr als 98.000 mittelhochdeutschen Versen wird die Landesgeschichte des „Herzogtum Österreich“ und des „Herzogtum Steiermark“ in die Reichsgeschichte eingebettet beschrieben.

Sie behandelt die Zeit von 1246 als das Geschlecht der Babenberger mit Friedrich II., dem Streitbaren (Herzog von Österreich und der Steiermark), in der Schlacht an der Leitha gegen den ungarischen König Bela IV. im Mannesstamm erlosch, über die Zeit großer Macht des Primislaus Ottokar II., König von Böhmen, bis zu dessen Tod 1278 in der Schlacht bei Dürnkrut gegen den König des römisch-deutschen Reiches, Rudof I. von Habsburg. Die Zeit 1246-1278 ist das Österreichische Interregnum.

Die Reimchronik behandelt ferner die Folgezeit nach 1278, der Rückkehr des Landes unter die Reichsgewalt, fortan unter Herrschaft der Habsburger, bis die Verse des Ottokar aus der Gaal im Jahr 1309 enden.

Ottokar aus der Gaal war großer Kenner der höfischen Dichtung und Epik. Seine Erziehung und Ausbildung dürfte er im Stift Seckau durch Augustiner-Chorherren erfahren haben, seine meistersängerische Kunst am Hof Otto II. von Liechtenstein, einem Sohn des Ritters und Minnesängers Ulrich von Liechtenstein.

Ottokar aus der Gaal, großer Sohn der Steiermark, ist um 1260/1265 geboren und um 1320/1321 gestorben. Er ist vermutlich im Stift Seckau begraben. Ein Epitaph im Kreuzgang ist ihm zugeschrieben.

„Es ist ein Gutes Land…“

König Ottokars Glück und Ende. Ein Trauerspiel

Die Reimchronik des Ottokar aus der Gaal war in der 1745 zum ersten Mal gedruckten Form von früheren Handschriften Franz Grillparzer bekannt. Diese erste Ausgabe diente ihm zu seinem Trauerspiel „König Ottokars Glück und Ende“. 

Die Uraufführung war anno 1825 am k.k. Hoftheater an der Burg. Als Theaterstück über Napoleon angelegt, zeichnet Franz Grillparzer parabelhaft Charakterzüge eines vom Recht abgewandten Herrschers in Analogie zu König Ottokar II. von Böhmen. Ursupatoren beide, erfahren sie Aufstieg, Macht und Untergang.

Im dritten Aufzug tritt Ottokar von Hornek auf, der mit dem Reimchronisten Ottokar aus der Gaal ident ist. In dem bekannten Monolog bittet er vor König Rudolph um Gnade für seinen gefangengesetzten Dienstherrn, den edlen Ritter Ott von Lichtenstein, ein steirischer Parteigänger des Ottokar von Böhmen, und empfiehlt das gute Land Österreich dem Schutz des Reiches an:

„O nehmt Euch sein, nehmt Euch des Landes an!
Er ist ein guter Herr, es ist ein gutes Land“

Bei der Wiedereröffnung des Burgtheaters nach dem Krieg 1955, gab es idiologisch aufgeladene Debatten darüber ob Goethes Egmot oder Grillparzers König Ottokar gegeben werden sollten. Man entschied sich gegen Egmont.

Der Monolog des Hornek wurde zu einer nationalen Lobhymne auf Österreich. Die Identitätsfindung zur Nation kreierte das österreichische Nationaltheater. Schulen forderten, dass man die Rede des Hornek auswendig rezitieren konnte.

Was als antinapoleonisches Schauspiel angelegt war, sich historisch auf Aufstieg einer Dynastie zur Macht bezog, die durch Rittertreue bei Dürnkrut erfochten wurde, eignete sich metaphorisch um Loslösung von Fremdbestimmung und Unfreiheit mit Jubelfreude zu begehen und ein betontes Österreichbewußtsein zu beginnen.  

Das Theaterstück entstand 1823 nach den repressiven Beschlüssen von Karlsbad in der Restaurationszeit. Es wurde zuerst von der Metternich’schen Zensurbehörde vom Tisch genommen. Zur Uraufführung kam es erst auf den Wunsch der Kaiserin, die es patriotisch fand. König Ottokars Glück und Ende wurde später wieder vom Spielplan des k.k. Hoftheaters genommen, da es dem Kaisertum Österreich antiböhmisch galt.

Grillparzer beklagte das System Metternich wegen der Unterdrückung der Meinungs- und der Pressefreiheit im Deutschen Bund: „Unsichtbare Ketten klirren an Hand und Fuß. Ich muß meinem Vaterland Lebewohl sagen oder die Hoffnung für immer aufgeben, einen Platz unter den Dichtern meiner Zeit einzunehmen.“

Er war nicht national, sondern war liberal gesinnt. Den Norddeutschen Bund ohne Österreich beklagte er als unerkannten Beginn einer tragischen Zersetzung:  „Ihr glaubt, ihr habt ein Reich geboren, und habt doch nur ein Volk zerstört.“

Wenn Grillparzer seinen Reimchronisten Hornek, alias Ottakar, im Loblied über Österreich zwecks Annahme des Landes durch den deutschen König, in den letzten Versen auch den gemütlich friedvollen Charakter des Österreichers preisen lässt, ist das kein Ressentiment gegenüber den Menschen an der Elbe und am Rhein. Das liegt weder im Redesinn des Hornek noch war es von Grillparzer so intendiert. Es ist alleine Liebe nur zu seinem Vaterland und zur österreichischen Heimat:  

S ist möglich, daß in Sachsen und beim Rhein
Es Leute gibt, die mehr in Büchern lasen;
Allein, was not tut und was Gott gefällt,
Der klare Blick, der offne, richt’ge Sinn,
Da tritt der Österreicher hin vor jeden,
Denkt sich sein Teil und läßt die andern reden!

Grillparzer, verehrter Dichter im Kaisertum Österreich, dessen Herrscher zeitlebens sich als deutscher Fürst verstand, bar jeder Grundlage, antideutsche Gefühle heute in die Feder zu legen, wäre wahrlich doch ein Trauerspiel.

Österreich, „Es ist ein gutes Land!“