Grazer Akademische Burschenschaft Carniola

seit 1884

UNSERE GESCHICHTE  ·  UBI SUNT QUI ANTE NOS…

Die Krain  „Carniola“

Herzogtum 1364 – 1918

Namensgeschichte  ·  Geographie  ·  Etymologie

„Die Krain“, mittellateinisch „Carniola“ in der Bedeutung „Kleine Carnia“, ist der Raumname für ein alpenslawisches und gleichwohl für ein germanisch-stämmiges Siedlungsgebiet seit Ende der Spätantike und dem Beginn des frühen Mittelalters zur Zeit der spätantiken Völkerwanderung. „Carniola“ wird zum ersten Mal in der Historia Langobardorum genannt, die um 790 von dem langobardischen Mönch und Geschichtsschreiber Paulus Diaconus (Paul Warnefried) über die gens langobardorum geschrieben wurde. In den „Annales regni Francorum“, den „Reichsannalen“, für das Jahr 820 werden die Carniolenses als die Bewohner im Grenzland Carniola genannt. Ihre Siedlungen erstreckten sich über die Landschaften im Süden der Karawanken.

„Karnien“, lateinisch „Carnia“, hingegen ist eine verzweigte Tallandschaft am Oberlauf des Tagliamento (Dülmende) zwischen dem Hauptkamm der Karnischen Alpen und den Karnischen Voralpen (Friauler Dolomiten und Vorberge) mit Tolmezzo (Tolmein) als urbanem Mittelpunkt der Gebirgstalung Karnien. Historisch nimmt der alpine Raumname „Carnia“ auf die Karner (lat. Carni) Bezug. Die Karner oder auch Karnier waren ein alpenkeltischer Voksstamm. Sie sind seit dem frühen 2. Jahrhundert v. Chr. schriftlich bezeugt und siedelten mit anderen Keltenstämmen, den Venetern und auch Noricern bis nach Aquileia und nach Tergeste (Triest) an der Adria.

Etymologisch wird der Wortstamm auf das vorindogermanische Substrat Kar(n), der Begriff für Fels beziehungsweise für Stein, zurückgeführt. Es ist derselbe Wortstamm wie in den lat. Raumnamen Carantanum für Karantanien und in Carinthia für Kärnten. Das Morphem, die linguistisch identifizierbare Bedeutung dieser Namen, liegt auch einer Reihe von weiteren Namen und Bezeichnungen inne, die sich auf die prominenten Felsformationen, die steinig zerklüfteten Gebirgsstöcke und Bergketten der südlichen Kalkalpen beziehen, die in Ost-West-Richtung ihres Hauptkammes die nördlichen von den südlich gelegenen Siedlungsräumen seit Urzeit trennen: die 120km lange Kette der Karawanken, der im Osten zwischen der Sann und der Save die Steiner oder Sanntaler Alpen, im Westen die Julischen Alpen mit den drei Türmen des Triglau (Triglav) vorgelagert sind sowie die Kette der Karnischen Alpen, die dem Karawankenzug westwärts folgt.

Vor- und frühgeschichtliche Fundspuren

Entlang der Donau im Norden und im oberen Adriaraum im Süden der Alpen ist seit der Altsteinzeit (Paläolithikum) eine frühmenschliche Besiedlung durch den Homo neanderthalensis und parallel dazu ab 40.000 Jahren vor unserer Zeit durch den Homo sapiens nachgewiesen. Funde belegen paläolithische Siedlungspräsenz vereinzelt auch südlich der südlichen Kalkalpen in der Region Krain und in der Südsteiermark. In Innerkrain, unweit von Adelsberg, wurde in Höhlen Steinwerkzeug gefunden, das mit 250.000 Jahren datiert ist.

Donau·Pannonien – Alpen – Adria·Aquileia

Für das Imperium Romanum waren seine direkten, sicheren Straßenverbindungen strategisch und wirtschaftlich von größter Bedeutung. Von Aquileia, selbst nahe der Adria gelegen, führten die Römerstraßen in alle Richtungen. Diesen Wegen entlang und an ihren wichtigen Wegekreuzungen entstanden befestigte Castra. Aquileia, 186 v. Chr. im Zuge der Römisch-gallischen Kriege gegründet, besiedelt seit der frühen Eisenzeit (800-500), war der Knoten aller Wege im oberen Adriaraum. Nach Süden öffnete das adriatische Meer die Seewege zu den weit entfernten Gestaden Europas, auch bis an die Ufer am Schwarzen Meer. Nach Norden führte die Via Julia Augusta in die Provinz Noricum, nach Nord-Osten die Via Gemina zur Pannonischen Tiefebene.

Spätantike und frühmittelalterliche Krain

Der Einfall der Langobarden im nördlichen Mittelmeerraum im Jahr 568 gilt historisch als der letzte große Zug der spätantiken Völkerwanderung. Er markiert mit dem Tod des oströmischen Kaisers Justinian I. im Jahr 565 das Ende der Spätantike und den Beginn des Frühmittelalters.

Der große Zug der Langobarden, wohl unter Druck der Awaren im pannonischen Raum, nahm seinen Ausgang vom großen Plattensee und führte entlang der uralten Bernsteinstraße über Emona (Laibach) auf der Via Gemina der Römer nach Gurkfeld in der Unterkrain, über den Birnbaumer Sattel nach Aidussina (Haidenschaft) im Trogtal der Wippach nach Savogna und Görz am Isonzo und weiter nach Aquileia.

Fortsetzung bald …