Grazer Akademische Burschenschaft Carniola

seit 1884

JOURNAL / DIE ZUKUNFT DENKEN …

„Medio tutissimus ibis.“  Ovid, Metamorphosen II, 137

Die Zukunft denken …

Menschen sind besorgt. Sie fragen wohin die Zeitenreise führen mag. Niemand in Europa möchte wieder Krieg, obwohl er an den Rändern Europas sinnlos, die Würde des Menschen verachtend, wieder tobt.

Überbevölkerung, sozio – ökonomische Verwerfungen, Hegemoniestreben von Staaten, Intoleranzen von Religionen und Egoismen führen zu einer „Realpolitik“ der kurzfristigen Zweckmäßigkeit, die für sich alleine nicht zum Wohle der Welt agieren vermag. Die Realpolitik greift zu kurz. Sie verliert sich oft im Momentanen, anstatt darüber hinaus das Große und das Ganze in das Auge zu fassen, um die Zukunft der Menschen in Freiheit und in Frieden nachhaltig zu denken.

Menschen sind besorgt. Sie beobachten eine Abwertung von traditionellen Werten und eine Aufwertung von egoistischen Hedonismen. Unseren Demokratien, die uns per Verfassung freies Wahlrecht, Rechtsstaatlichkeit, Gewaltentrennung, freie Marktwirtschaft, Menschenrechte, Bürger- und Freiheitsrechte garantieren, freie Presse ermöglichen, wären heute mehr „normative Diskurse“ zu wünschen.

Wie anders als dadurch kann eine „plurale Gesellschaft“ erreicht werden um sie in Zukunft mehrheitlich von der auf Werten basierten Ordnung nachhaltig zu überzeugen? Demokratisch geführte, maßgebende Diskurse verfolgen die Ziele Menschen nicht alleine nur zu orientieren. Bürger sollen die Grundwerte nicht nur  „konsumieren“ sondern bereit sein sie zu verteidigen und weiterzuentwickeln.

Sittliche Werte müssen an den Schulen mit Nachdruck vermittelt werden. Sie sind für das Demokratieverständnis fundamental. Parallel dazu müssen die Jugendlichen in die Lage versetzt werden können, falsche Informationen in den sozialen Medien zu erkennen und kritisch zu filtern. Der bedrohlich zunehmenden destabilisierenden Agitation, woher und wie auch immer, neuerdings via „künstliche Intelligenz“, muss mit tauglichen Maßnahmen konsequent und effizient begegnet werden.

Menschen sind besorgt. In der Hoffnung auf ein wirtschaftlich besseres Leben und auf Freiheiten kommt es zum Exodus von vielen Menschen aus ihren angestammten Ländern. Das trifft nun in den Zielländern zusehends auf Unverständnis und auch auf Widerstand.

Das Problem kommt zunächst unmittelbar auf der so sensiblen kommunalen Ebene an und überfordert aufgrund seiner großen Dimension viele Bürger. Das nicht nur ökonomisch, sondern unbestritten in der Wahrnehmung des „Fremden“ und des „Unwägbaren“. Man sollte dem zur Folge verstehen wollen, dass die Menschen die „heimatliche Scholle“ bedroht sehen und diese nicht ohne Vorbehalt mit so vielen Menschen aus fremdartigen Kulturen teilen wollen.

Die „Integration“, später im idealen Fall auch „Inklusion“, beides soziologisch „Einbeziehen“ in eine bestehende Kultur und Gesellschaft mit dem sozialpolitischen Ziel eine umfängliche und weitgehend akzeptierte Wertegemeinsamkeit zu erreichen und eine Werteerhaltung zu gewährleisten, ist ein nicht einfacher und sehr langer, aktiver Prozess. Soll er denn gelingen, setzt er sowohl den permanent „bemühten Willen“ des Kanditaten als auch demokratisch bestimmtes „Wollen“ der aufnehmenden Gesellschaft voraus.

Für den im Lande zunächst „Fremden“ gelten die „Pflichten des Gastfreundes“, des „Hospes“. Das gilt ohne Ausnahme für alle also, die „von Freunden als Gäste“ mit „Gastfreundschaft“ aufgenommen werden. Wird die Gastfreundschaft seitens des Gastes jedoch missachtet oder misslingt der lange Prozess des gastfreundlichen Einbeziehens in eine existierende Ordnung von gemeinsamen Werten, führt er von selbst zur „Exklusion“ oder „Separation“, oft auch zu den als fremd empfundenen und problematischen „Parallelkulturen“.

Wider die Fliehkräfte

Wir sehen viele Veränderungen und auch manche Bedrohungen. Seien sie in unserer Gesellschaft, bei der Sprache und Kultur, seien sie beim Klima und der Natur – unserem unmittelbaren Lebensumfeld also. Dem Staat und jedem Bürger sollte der Schutz dieser Werte dringlich sein. Jetzt und nachhaltig, das wäre das erste und allerbeste Anliegen.

Starre, im Alten verwurzelte Ideologismen ohne die Bereitschaft zu demokratischem Konsens, sich selbst gefälliger Populismus, der eigennützige Protektionismus, führen nicht in eine ausgewogene und friedvolle Zukunft. Im Übrigen ist Demagogie sehr verfänglich. Sie ist ein tarnendes Mittel um eine freie, demokrtische Gesellschaft zu verunsichern und ihre Grundwerte zu destabilisieren.

Es ist unbestritten das Recht der Jugend mit eigenen Vorstellungen Zukunft mitzugestalten und Ziele zu formulieren. Auch dazu ist ein belastbarer Ausgleich zwischen den Generationen notwendig. Dieser Konsens zwischen Bewährtem und Innovativem setzt also eine fortwährende, verträgliche Anpassung voraus. Solchem Prozess, soll er denn gelingen, liegt die Werteschätzung und Werteschöpfung gleichermaßen zugrunde. Der Kern des Gemeinwesens muss gesund, einig und „massedicht“ sein um Fliehkräften mit Erfolg entgegenzuwirken.

 

Arkadien und Platons Staat

Man warte nicht auf ein glückseeliges Arkadien, das es absehbar nicht geben wird, wie ebensowenig den „idealen Staat“. Vorallem, man künde von ihnen, will man mehr erreichen, nicht belehrend in einer fremden Welt, die davon nichts wissen will. Aber, man arbeite beharrlich in eigener Welt die eigenen Werte zu schützen und zu mehren. Die Achtung in der Welt kann man durch Argumente gewinnen, die im eigenen Haus, im Vaterland zuerst überzeugen.

„Hoffe nicht auf Platons Staat, sondern sei zufrieden mit dem kleinsten Schritt, wenn es nur vorangeht. Und achte auch ein solches Ergebnis nicht gering, denn die Haltung der Menschen wirst du nicht ändern.“

Marc Aurel, Selbstbetrachtungen IX, 29 

 

Jan Frans van Bloemen gen. „Orizzonte“ (1662-1749). Arkadische Landschaft, Öl auf Leinwand. Prov. Palazzo Borghese, Rom | Bild/Rechte: privat

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