Grazer Akademische Burschenschaft Carniola
seit 1884
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Das Gottscheerland
Ende des 9. Jahrhunderts waren große Teile des heutigen südlichen Sloweniens unter dem Einfluss der Patriarchen von Aquileia. Ab dem 11. Jahrhundert wurden die aus Oberkärnten stammenden Grafen von Ortenburg mit dem Gebiet belehnt um es urbar zu machen.
Nach Erlöschen „derer von Ortenburg“ im Mannesstamm kam die Gottschee 1418/22 an die Grafen von Cilli, die 1435 von dem römisch – deutschen Kaiser Sigismund in den Reichsfürstenstand erhoben wurden. Mit deren Erlöschen im Mannesstamm im Jahr 1456 gelangte die Gottschee 1457 an die Habsburger unter Kaiser Friedrich III.
Nach Zerstörung durch die Türken wurde der Markt Gottschee im Jahr 1471 durch Kaiser Friedrich III. zur Stadt erhoben. 1492 verlieh der Kaiser den bitterarmen Bürgern des Gottscheer Landes das Hausierpatent, das sie fortan ermächtigte mit den selbst hergestellten Waren Handel zu treiben. Das Gottscheerland wurde in dieser Zeit von zahlreichen Türkeneinfällen immer wieder aufs Neue verheert. Als Grenzmark war die Gottschee jedoch von besonderer Bedeutung um die Türkenvorstöße gegen das Reich aufzuhalten oder zumindest zu verzögern.
1622 zur Grafschaft erhoben, kam die Gottschee 1641 durch Kauf an die Grafen von Auersperg und wurde 1791 von Kaiser Leopold II. zum Herzogtum erhoben.
1809 – 1814, während der Franzosenkriege, wurde das Land und die Stadt Gottschee geplündert.
Ende des 19. Jahrhunderts haben sehr viele Gottscheer aus bitterer wirtschaftlicher Not ihr Land verlassen und viele wanderten nach Nordamerika aus.
„Dü hoscht lai uain attain uain ammain drzua, Dü hoscht lai uain huaimait gottscheabarsch‘r pua.“
„Du hast nur einen Vater, eine Mutter dazu, Du hast nur eine Heimat gottscheer Bub.“
Hinterglasmalerei mit dem Siegel der Stadt Gottschee von 1471 (Jahr der Stadterhebung). Das Siegel zeigt den Hl. Bartholomäus mit seiner Kirche und die Umschrift: „Sigillum civitatis in Kotschew 1471“ (Besitz: Grimbert Tschinkel) | privat
Ab 1872 gab es in der Stadt Gottschee ein Gymnasium. Weil es in Laibach noch keine Universität gab, studierten Gottscheer nach ihrer Gymnasialzeit in Graz und in Wien und manche von ihnen wurden in der 1884 in Laibach gegründeten „Ferialverbindung Carniola“ aktiv.
Nach dem ersten Weltkrieg im Jahr 1918 und mit dem Zerfall der Österreichisch – Ungarischen Monarchie wurden die Gottscheer deutscher Volkszugehörigkeit von dem neu gegründeten SHS – Staat (Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen) zunehmend unterdrückt und Staatsdiener entlassen.
Fast alle Deutsch – Österreicher, die den Repressalien widerstanden und in der alten Heimat verblieben sind, wurden in der Zeit des 2. Weltkrieges umgesiedelt – am Ende vertrieben oder vernichtet. Bis heuet jedoch versagt der Slowenische Staat dem kläglichen Rest der Gottscheer die Anerkennung als Volksgruppe mit den entsprechenden Minderheitenrechten, siehe: „Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen“ des Europarates.
DAS HERZ IN DER HEIMAT – DIE GOTTSCHEER VEREINE
Nun, die Gottscheer waren von je her widerstandfest, genügsam und fleißig. Das erlaubte ihnen in Europa, vor allem in Österreich, in Süddeutschland, in Kanada und in den USA wieder Fuß zu fassen und eine neue Heimat zu finden.
Die Gottscheer Vereine in verschiedenen Ländern und die „Gottscheer Zeitung“ halten die Erinnerung an unsere bewegte Geschichte und das Jahrhunderte alte Volkstum unserer verlorenen Heimat am Leben. Die spezielle, uralte Mundart der Gottscheer wurde 1974 als Wörterbuch in zwei Bänden von Dr. Walter Tschinkel für die Nachwelt erhalten.
ED
Literatur: Hauffen, Adolf. Die Deutsche Sprachinsel Gottschee. Geschichte, Mundart, Lebensverhältnisse, Sitten und Gebräuche, Sagen, Märchen und Lieder. K.K Universitäts- Buchdr. Und Verlags-Buchh. „Styria“. Graz, 1895.
